Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 

1Z7

Abram, ein sonst wackerer Degen, wies ihn Tag um Tag zur Ge-duld. Es half ihm nichts, bei Eufemien über Ceceo'S Trotz znklagen. Das gute Mädchen hatte nur Thränen für ihn. „Ichweiß es wohl," seufzte es dann: „er thnt Ihnen schmerzlichesUnrecht; und mich liebt er nicht mehr. So mag er denn gehen.Bin ich ihm gleichgültig, kann ich ihn vergessen."

Auch FortnnatuS machte den Versuch des Vergehens. Aber ervergaß zuletzt nur sich selbst und seinen Vorsatz. Sein Herz ent-behrte zu viel; die Macht der Gewohnheit heischte und herrschtezu heftig. Immer und immer wieder schwebte der liebenswürdigeKnabe vor ihm, dessen geistvolle Tändeleien, dessen kindliche Güteund Anhänglichkeit, dessen Starrsinn und unbestechliche Beharrlich-keit neben dem schnellsten Wechsel der Gemnthsstimmungcn ihnbisher ununterbrochen ans eine eben so sonderbare als angenehmeWeise ausschließlich beschäftigt hatten.

Zuletzt, ärgerlich über die eigene Schwäche, führte ihn, imKampf mit übermächtigen Gefühlen, gegen welche alle Gründeder Vernunft eitel bleiben, ich möchte sagen, ein Instinkt desGeistes, der seine Hoheit nicht aufgebcn kan», den richtigen Weg.Er beschloß, sich und die Sache gehen zu lassen; nicht das Un-mögliche, nicht plötzliche Ausrottung seiner Eriuucrungen, Ge-wöhnungen und Neigungen zu versuchen, sondern mit dem Leichternzu beginne»; Zerstreuungen aller Art zu wählen; den Knaben ansdem ehemaligen Fuß zu behandeln, ohne höhere Theilnahme gegenihn, als gegen Andere, und immer gleichsam sich selber im Laufder Gedanken und Empfindungen zu unterbrechen, sobald sie ihrealte Richtung nehme» wollten. In diesem inner» Kriege gegen sichselber — und der ist ja der schwerste sogar des WcltcrobererS —bewaffnete er, wider Gefühle, Gefühle, Männcrstolz gegen weiner-liche Weichheit, und Selbstachtung reifer» Alters gegen Schmerzund Kränkungen von einem verzogenen Kinde.