Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
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ES war volle Luftflille. Aber ein wunderbares Geräusch, wieSturm, zog schwer durch den Wald her. Es kam langsam näher,mit dumpfem Getöse; etwa wie das Treiben wilder Eber, welcheverwachsenes Walddickicht durchbrechen. An einer Stelle bewegtenund schüttelten sich die Baume, beugten ihre Wipfel tief in dasGczweigc der nahe stehenden, und zerrissen sic gewaltsam. ES ließsich unklar im Finstern der Gebüsche, zwischen stilistehcndcn undnebenbei zersplitternden Bäumen, ein dunkles, gestaltloses Unge-heuer gewahren, gleich jenen ungeschlachten, schwerfälligen Riescn-thieren der Urwelt, deren kolossale Gerippe noch die Ohio-Uferund Sibirien der erstaunten Nachwelt zeigen. Die Erde zitterteunter jedem Schritt, und das Gehölz ward, wie schwaches Schilf-rohr, zertreten.

„Jesus Maria! " schrie eine Stimme. Enfcmia flog, ein bleichesBild des Entsetzens, mit diesem Angsiruf daher. Ihre Schrittewaren hasiig und unsicher. FortnnatuS trat ihr entgegen, fing siein seinen Armen ans und hielt die Schweraihmende an seiner Brust.In einiger Entfernung ließ sich wildes Klagegeschrei und lautesBeten mehrerer Menschen vernehmen; ohne Zweifel ans der Laube,von welcher vorher noch fröhliches Gelächter erklang.

In eben diesem Augenblick trat aus dem Gebüsch und Unter-holz, schwerfällig und rnckweis, wie ein wandelnder Berg, inMoos, Gras und zcrgnetschteS Laub gehüllt, ein mächtiger Fels-block hervor, welcher die ihm von der Hand des Schöpfers ange-wiesene Hcimath des GebirgS verließ. Nun aber, am Abhang derHöhe, sprang er mit wachsender Stärke, in großen Sätzen, Allesund sich selber zertrümmernd, mit Krachen in den Thalgrnnd.

FortunatnS, der dies mit Grausen gesehen, das zitternde Mäd-chen im Arm tragend, war auf die Seite gewichen. Ihre Wangenan die scinigen gelehnt, seufzte sic endlich: „Ein Erdbeben! Steh'uns Gott mit alle» seinen Heiligen bei!" Indem sie sich erholte.