Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
106
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empfing die ihm entgegenkommenden Schiffbrüchigen mit großer Leut-seligkeit, hörte die Geschichte ihrer vierzchnstündigen Todesangst,des Untergangs so vieler Menschen; zeichnete vieles von den Be-richten in seinem Taschenbuch ans nnd wandte sich einige Male hin-weg, seine Rührung zu verbergen. Unter den Soldaten, die, Ge-wehr am Fuß, die geringe Zahl der Erretteten umringten, trocknetenmehrere ihre naßwerdendc» Augen, oder stießen, in kriegerischerScham ihre GemüthSbcwegung verhehlend, gewohnte Flüche gegendie Calabresen aus, als von deren Hartherzigkeit Rede war.

„Den Naubthicren wässert das Maul nach Eucrm SchiffSgnt!"sagte Hauptmann Lnecrnc: „Zweifelt nicht, sie hätten Euch sammtund sonders kalt gemacht und ins Wasser geworfen, würden sienicht die Besatzung von Geraee gefürchtet haben."

Alsbald gab er Befehl, ein großes Feuer anznzündcn. DieBauern mußten, begleitet von einer Wacht, am Strande schaffen.Andere holten Wein, Brod, Früchte, Stroh von den benachbartenOrtschaften Siderno und Geraee herbei. Ein langes, steinernes,halbzerfallcneS Haus an der Marina oder dem Gestade, vielleichtzum Waarcnlagcr der landenden Schiffe bestimmt, wurde zur Nacht-Herberge eingerichtet, und Kleider, wie mau sie auftreibcn konnte,wurden den Entblößten für den folgenden Tag verheißen.

„Ich lasse," sagte der menschenfreundliche Hauptmann beimAbschiede zu den Getrösteten, „sechs Mann Wache bei Euch undzur Hut des gestrandeten Gutes zurück, und schicke noch in derNacht Bericht ins Hauptquartier Moutclcouc an den ObergcneralReyuier. Ihr müsset Euch, der Antwort willen, einige Tage ge-dulden."

Vom lauten Segensruf der Unglücklichen begleitet, trat er,unter Trommclschlag, mit seiner Mannschaft den Heimweg nachGerace an, da cS schon dunkelte.