Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
91
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r.

Die Marina von Siderno.

Nach Mitternacht erst erhob sich »euer Wind; doch war cs jenerglühende Verderbcnbringer, dem die Neapolitaner Thüren und Feu-sicr zu verschließen pflegen. Aus der heißen Sandwüste Afrika'sanffliegend, furchet er, in langen, mächtigen Stößen, das Meerbis in den Grund; versengt das junge Grün der Frühlingsfluren,»nd bricht sogar »och, als Föhn, von den Eisbergen HelvcticnSdonnernde Lavinen ab. Seine Gewalt stieg von Minute zu Minute.Lorcnzo Bosich, mit seinen Matrosen, hatte vollauf Arbeit. IhrGeschrei durcheinander, das dumpfe Tosen von Sturm und Wasser,das heftige Schlagen des Schiffs verschüchterte schnell alle Morgen-träumc der Schlafenden. Mehrere der Erschreckten krochen in derFinsterniß hervor, um zu erfahren, was es gäbe? Lorcnzo Bosichertheilte ihnen Trott, der Sturm werde sich mit Tagesanbruchmäßigen.

Allein, als wär' cs darauf abgesehen, unser« Propheten jedes-mal Lügen zu strafen, vermehrte sich der Ungestüm des Wetters beiSonnenaufgang. Die Nippen der Austria krachten von de» Stößen.Das Toben der Wogen, das dumpfe Rollen der Waarenballcn,machte dem Beherztesten Furcht. 2» den Gemächern der Kajütestürzten alle Habseligkciteu umher, und die Ncisckistcu wälzten sichnach allen Richtungen. Keiner da des Lebens sicher, rettete sichjeder hinauf ins Freie.

Die ausgehende Sonne glühte, wie ein Eiscnballen, der ausdem Ofen des Schmiedes hervorgeht. Kupferfarbene Wolken brann-ten einzeln am bleichen Himmel, wie ungeheure Feuerkugeln, die inden rasenden Wogenschwall niederzustürzcu drohten. Das Erbrausendes weit umher kochenden Meeres, das schneidende Pfeifen undHeulen der Winde lm Tau- und Takelwerk, das Getümmel und