80
Bostch mit heilen» Antlitz, das erwünschte Ziel sei nahe, Messinanur kaum noch fünfzig Seemeilen fern. „Morgen," rief er, „morgen,meine Herren, speise» wir mit einander zu Nacht, in der Korn-kammer Neptuns, sieilianische Macaroni und Sardellen; und dersüße Syrakuser wird unser Herz erfreuen!"
Allgemeiner Jubel verbreitete sich über die Austria. Die Ma-trosen jauchzten; die Reisenden brachen in Freudcnlieder aus; an-dere tanzten; andere holten ihren ersparten Wein hervor und ver-spcndeten ihn freigebig.
Aber, als wollte der Himmel die vorwitzige Weissagung desguten SchiffshanptmannS auf der Stelle zur Lüge stempeln: eheeine Viertelstunde verstrich, crmaitcte der bisher günstige Wind,und immer schwächer wurde sein Odem. Es war eiu schöner, son-niger Nachmittag, der fünfundzwanzigstc des Märzmondes. Dievorhin noch hochbustgen Segel welkten zusammen; Flaggen undWimpel spielten nicht mehr, sondern senkten sich, wie geknickteBlumen. Volle Windstille, keine Bewegung mehr, als vom leisenWanken des Schiffs. Auch dieses endete mit dem Leben aller Wellen,die sich zur reinen Fläche eines stillen Landsees anSglättcten undsogar aufs treueste das umgekehrte Bild des Schiffes spiegelten.
Lorenzo Bostch, zwar sonst ein gewissenhafter römisch-katholischerChrist, und eifriger Mitmachcr der vorgcschriebenen Gebete, fluchtejetzt alle bösen Geister aus der Hölle zusammen, ungeachtet es Vor-abend des grünen, oder wie die Italiener sagen, heiligen Donners-tags war. Keiner der angcrufencn Dämonen aber bemühte sich zumWindmachen herbei. Die SchiffSgescllschaft ergötzte sich inzwischenwohlgemutst, bis lange nach Sonnenuntergang, am ungewohntenSchauspiele eines todtstillen Ozeans.