80
eine prächtige Seelandschaft vor seinen geblendeten Augen schwebte.Frischer Wind strömte dnrch den Wellenglanz des Meeres. Linksund rechts, in fast gleichen Fernen, schwammen Küstengegenden,wie farbige Lnftgebilde. Die Austria drang nämlich eben mit ge-schwellten Segeln in die Meerenge von Corfu ein; links die nie-dere, flache Landzunge von Denta; rechts die kahle», aschfarbe-nen Uferfelsen von Corcyra, nur sparsam, in Schluchten undRiffen, mit grünendem Gestrüpp wie übermooset. Was die Sonneeiniger Jahrhunderte von diesen Massen nicht ausgebrannt und zer-bröckelt hatte, war durch Negenstürme zerstört. Einzelne Klippen,getrennt von ihren senkrechten Kalkstcinflözen, traten, wie schwarzeBasaltsäulen, weit ins Meer, um stolz den siegenden Elementenihren letzten Trotz zu bieten.
Wie allmälig das Meer wieder zur breiten Fläche auseinanderging, wickelte sich, links am albanesischen Ufer, die Bergkette vonMezzovo von einander, unter deren Gipfeln nun der heilige Pin-dus unbekannt steht, welcher einst dem Gott des Gesanges undallen Musen ein Lieblingsplätzchen hieniedcn hieß. Von daher leuch-teten auch die weißen Mauern des Städtchens Butrinto, in derweiten Entfernung kaum erkennbar, wie weißer Schaum des Ge-stades, welcher von Zeit zu Zeit aus den tanzenden Wellen auftaucht.
Die Austria flog aber in gerader Richtung gegen die Stadt Corfu,welche mit ihren Festungswerken, wie auf einer Halbinsel, insMeer hinaus lagert. An einem kleinen Eiland vorbei, das dengeräumigen Hafen verbirgt, schwamm das Schiff bis zum steilenFelsen, der auf seinem Haupte das alte Schloß, wie seine Krone,zur Schau trägt. Eine Pfahlbrücke bindet das Schloß an die Stadt.