Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
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Der Fremde im Mantel, welcher das Gespräch gehört hatte,wandte sich verwundert seitwärts zu den Redenden , ohne seine Stel-lung zu verändern. Er sah in diesem Augenblick die weibliche Ge-stalt, halb kniend vor dem Knaben, mit weit vorgestreckten, in ein-ander gefalteten Händen. Mit zitternder, leiser Stimme seufztesie:O mein Cccchino! Warum wollt Ihr mich verderben?"

In diesem Augenblick sprang der junge Bursch auf, mit einemSatz gegen das Schifföbord, und vermuthlich wäre er in dieWellen hinabgesiürzt, hätte ihn nicht der Fremde, während dieDame einen Schrei ausstieß, mit beiden Armen umfangen.

Keine Unbesonnenheit, junger Mensch!" sagte der Fremde,und seine Lippen dem Ohr des Knaben zuucigcnd, flüsterte er leise:Sie scheinen unglücklich. Vertrauen Sie mir, ich will über Sicwachen auf dem Schiffe."

Cccco wandte sich im Arm des ungebetenen und unerwartetenVermittlers um. Beide beobachteten sich gegenseitig, so viel dasLicht des Mondes gestattete. Der Knabe sah ei» ihm unbekanntes,aber angenehmes Gesicht mit einem Ausdruck voller Kraft und Gut-müthigkeit, welcher selbst durch einige Pockengrübchen erhöht zuwerden schien. Unter dem runden Hut kräuselte sich blondes Haarwie Gold, im Schein des Mondes. Der junge Mann war etwafünf- bis siebenundzwanzig Jabre alt. Hinwieder der Fremde er-blickte dicht vor sich das verschüttete, zarte Antlitz eines Knaben,welches, im feinsten Ebenmaß seiner Verhältnisse, wahrhaft schöngenannt werden konnte, und eben jetzt durch den scelcnvollen Aus-druck von innerm Schmerz und stolzem Erstaunen einen, wenn ichso sagen darf, ganz eigcnen-Tvn empfing, welchen man sonst nichtin einem etwa fünfzehnjährigen Knabengesicht zu finden erwartet.

Nach einer Weile stummen Anstarrcns riß sich der junge Burschaus den Armen, die ihn gefangen hielten; sagte zum Frauenzim-mer, das wie unbeweglich dastand:Ich folge!" und beide wan-