nach. Nu» ward daS Verdeck von den Reisenden nach und nachleer, die ihre Schlasstätten suchten.
Nur ein junger Mann, in seinen Mantel gehüllt, blieb nochstill träumend auf dem Verdeck stehen, vielleicht von der Neuheitdes Schauspiels zurückgchalten. Unweit von ihm saß ein etwa sechs-zehnjähriger Knabe auf einem Waarcuballen; die Hände gefaltetund vor sich hin gestreckt, den Kopf niedergesuuken auf die Brust,unbeweglich, wie im stummen Schmerze. Eine hohe weiblicheGestalt warf von Zeit zu Zeit den Blick auf den Knaben, ent-fernte sich bald, und trat bald wieder zu ihm. Endlich schien ihrdie nächtliche Kühle oder Langeweile lästig zu sein. Sie berührtedie Achsel des Knaben mit dem Finger, und sagte halblaut aufItalienisch: „Zst'S endlich gefällig? Mitternacht ist vorüber!"
„Mir gleich! Ich werde noch bleiben!" antwortete der jungeBursch trotzig und kurz, indem er die Augen dem Mond zuwandte.
„Ich aber darf es nicht länger gestatten. Eure Gesundheit,lieber Cecco!" versetzte das Frauenzimmer und faßte den Armdes Knaben.
„Mir gleich!" cntgegnete der kleine Eigensinnige, welcher seinenArm wieder befreite: „Meine Gesundheit ist nicht die Ihrige,Signora."
„Ohne Umstände, Cecco!" rief die Dame mit zürnender Stimme:, M»ß ich meine Leute herbciholen oder den Schiffskapitän? Ichverlange Gehorsam auf der Stelle."
„Und ich Freiheit, oder ..." sagte der Knabe und legte auf dasletzte Wort einen drohenden Ton.
„Oder? und was denn oder?" wiederholte die Dame etwasspöttelnd.
„Den Tod!" crwiedcrtc der Trotzkopf: „Das Grab ist jedenAugenblick offen, weit und tief." Er deutete bei diesen Wortenmit der ausgestreckten Hand aufs Meer.
Zsch, N°v. VIII.
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