Cugnh sollte die Erbschaft ihres Mannes, so wie ihr eigenes Ver-mögen, zn Brüssel in Empfang nehmen, und dann sich in dieösterreichischen Staaten zu ihrem und ihres Mannes treuen Freundbegeben.
Sie reiseic ab. Die Zerstreuung war ihrem Gemüthe wohl-thätig. Es verstrich mehr als ein Jahr, che sie die Geschäfte inden Niederlanden abgcthau hatte. Unterdessen war der Brief-wechsel zwischen ihr und Olivicr desto lebhafter. Ollvicr war nochimmer der Alte; das heißt, er konnte sein Herz nicht verwandeln.Die ehemalige kleine Zcltkrämcrin, — die aufgeblähte Jungfrau,die ihn nur Freund nenne» wollte, — die reizende Frau von dreißigJahren im Wittwcnschlcicr — waren eine so schon, so liebens-würdig für ihn, als die andere. Er schwor zwar in seinen Brie-fe», er liebe sie nicht mehr, er sei über alle Leidenschaft und jugend-liche Aufbrauserci himmelhoch erhaben; aber die Briefe warenFeuer und Flamme der Freundschaft, die jeder Andere für LiebcS-flammen erklärt hätte.
Frau von Cugnh kam endlich aus de» Niederlanden zurück.Sie hatte ihren Freund nicht mehr in Ungarn zu suchen; er warin Wien angestellt. Bis Linz eilte er der Kommende» entgegen.
Die ersten Begrüßungen und Umarmungen waren zärtlich-unge-stümer, als sich beide vorgenommen hatten, daß sic sein sollten.Helena zerfloß an seiner Brust in Thräncn. „Ich stehe so alleinin Gottes weiter Welt," sagte sic, „so verwaiset. Ich habe Nie-manden mehr, als Sie, lieber Major. So gehöre ich Ihnen ganz."
„Und wem denn gehöre ich an?" crwiedcrtc er: „Ich bin ohneVerwandte, ohne Freund. Es ist ja wohl des Himmels freund-lichste Gunst, daß er mir wieder die Gespielin meiner Kindheitzuführt."
In Wie» hatte Olivicr schon für die schöne Wittwc die be-quemste und angenehmste Wohnung ausgewählt, ganz in seiner