ternd ihre zarte Hand, und wußte nicht, was er stammeln sollte.Helena, wett unbefangener, musterte den alten Spiclgcnosscn vonoben bis unten, sagte ihm viel Verbindliches, und brachte ihndurch ihr vertrauliches Gespräch bald wieder zu sich selbst.
Von diesem Augenblick an entzündete sich in Olivier eine un-besiegbare Leidenschaft. Täglich besuchte er Helena'S Aeltern,eigentlich nicht die Aeltern, sondern Helena zu sehen, deren im-mer gleiche rosenbarbenc Laune, deren Muthwillc ihn abwechselndbald unter die Seligen des Paradieses, bald unter die Verdamm-ten und in ihre Qualen versetzte. Denn das hübsche Mädchenschien Alles zu verstehen , nur kein Wort von Liebe. Es war nochimmer gegen ihn so traulich und harmlos, wie Vor zehn Jahrenbei den Gcißheerdcn; aber mehr, als damals, schien auch jetztnoch nicht das neunzehnjährige Mädchen zu fühlen. Ja, wennHelena recht aufgeräumt war, sing sic ihn sogar an zu duzen;aber auch in dem Du lag nichts Bedeutsameres, sondern wohlgar etwas Komisches, das den armen Liebeskrankcn peinigte.
So vergingen einige Wochen, einige Monate. Manches hübscheMädchen von La Sarraz, Vevay und Lausanne lächelte den schonen,kriegerischen Jüngling bedeutsamer an, als Helena; ja, Olivierwar sogar boshaft genug, Versuche anzustellcn, ob er Helenennicht ein wenig eifersüchtig machen könne. Allein umsonst. Dasunbefangene Mädchen blieb sich gleich, und neckte ihren Freundallenfalls mit seiner Liebschaft, die er gegen eine andere Schöneheucheln wollte. Dabei wußte sic ihren Seladon in so strengerEhrfurcht zu halten, daß er es nur nie wagen mochte, ihr eineSilbe von seiner Leidenschaft zu sprechen. Aber seine Blicke, seineAufmerksamkeiten, seine Zerstreuungen sprachen.
Olivier fing an, sich seines Zustandes zu schämen. Erkämpftemächtig mit sich selbst. Er that kleine Reisen in die Nachbarschaft.