Druckschrift 
8 (1851)
Entstehung
Seite
21
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zu gehen. Da wallen wir denn Himmelstagc mit einander in derHcimath leben. Da wollen wir Hütten bauen über dein Stein-brnche; dir eine, mir eine, und der kleinen Marketenderin eine.Ta wollen wir alle die alten süßen Erinnerungen der Kindheitwieder lebendig werden lassen."

Man schied nun mit den frohesten Hoffnungen des baldigen Wie-dersehens von einander. Olivier packte ei», und begleitet vonzwcc» seiner Knechte reifete er durch Deutschland und die Schweiz.Wie schlug ihm das Herz, als er das Städtlein seiner Hcimathvor sich am Berge daliegen sah! Es war ihm. als wäre er ge-stern erst aus demselben abgcrcisct. Aber je näher er kam. je ver-änderter fand er Vieles; freilich nur in Kleinigkeiten; und dochjeder ansgerissenc Hag, jedes verschwundene, baufällige Garten-Hänschen, jedes neu errichtete Gebäude erregte seine Aufmerksam-keit und Verwunderung. Was ihm einst als Kind groß vorgekom-men war, schien ihm jetzt klein, der himmelhohe Thurm niedriger,die breite Gaffe viel enger, das väterliche Haus viel zusammcn-gcdrücktcr, als er sich vorgcstcllt hatte.

Ich darf nicht sagen, welchen Jubel OlivierS Erscheinung imHanse der Acltern, welches Aufsehen es im ganzen Städtchen ge-macht habe. Jeder wollte den kleine» Olivier sehen, der nun sogroß und kaiserlicher Hauptmann geworden war.

Schon des andern Tages machte er die Runde bei allen Ver-wandten und Bekannten. Natürlich, die kleine Marketenderin undNachbarin Helena ward nicht vergessen. Aber wie erstaunte er, alser im Zimmer bei ihren Acltern stand, und sie hercintrat! Esging ihm heiß vom Wirbel bis zur Sohle. Tie Jungfrau nahtesich ihm erröthcnd. Eine frische, blühende Gestalt, von aller An-muth der Jugend umflossen, mit ihren flammenden, schönen Blickenfähig, Herzen von Eis zu schmelzen. Olivier hatte kein Herz vonGis, aber geschmolzen war es doch. Er küßte schüchtern und zit-