Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
Seite
394
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Wie ich nach einigen Tagen in Florenz einzog, kam uns in derStraße viel Volks entgegen; ein armer Sünder ward zum Galgengeführt. Er ging mit gesenktem Haupt zwischen zwei Mönchen,umgeben von Scharwachtcn des Großherzogs. Wir mußten wegendes großen Gedränges still halten, denn die Vorsehung wollte michfurchtbar an meine Besserung mahnen. Ach, wie der Unglücklicheunweit vor mir hinging, erkannte ich ihn. Es war Don AlfonsoPiccolomini, der den Loh» seiner Schandthat ärntcte. Er wurdegehangen, und sein Leichnam an dem Galgen zum warnenden Bei-spiel viele Tage lang ausgestellt. Es war im Winter, der'vier-zehnte Hornung 159t.

Also hat dieser Mann schimpflich geendet, der aus einem deredelsten Häuser Italiens entsprossen war, und dessen GemahlinHippolyta Picca dem Geschlecht Mirandola entstammte.

Als wir zur Herberg angekommen waren, begab ich mich inein stilles Gemach, fiel auf meine Knie, und dankte Gott undder heiligen Jungfrau mit Inbrunst, mich vor solchem Schicksalgnädiglich bewahrt zu haben, wie ich doch meiner vielen Sündenwillen wohl verdient. Dann habe ich mit gerechtem Zorn dastrügliche Fläschlein mit dem Feuergeist im Hof der Herberge gegeneinen Eckstein zerschmettert, daß cs in viel tausend Splitter zer-sprang. Und ich erkannte schier allzuspät und mit bitterer Neue,wie der Mensch sich selbst gefährlich verblenden könne, und dasWahre für Trug, und den Trug für Wahrheit halte, wenn ersich einmal mit ganzem Gemüth einer thörichten Meinung hinge-geben.

Ich nahm mir auch vor, andern Tages dem Grafen Sigis-mund nach Deutschland zu schreiben, wie uns Piccolomini irregeführt, und welches Ende er genommen, und in welche Gefahrenich gegangen. Wie ich aber zu Graf Bevilacqua kam, fand icheinen Trauerbrief von meinem Bruder Ulrich von Welz, der mir