— 2!ll —
DaS Gast mahl.
Nach diesem wurden wir in den Speiscsaal geführt, wo einrunder Tisch mit den auserlesensten Speisen und Weinen bereitetstand, alles ini köstlichsten Geschirr. Wir setzten uns sogleich, undein mnntcrcS Gespräch würzte die Lust des Gaumens. Ich aberglich einem Träumer, denn ich konnte die schöne Bildsäule nichtvergessen. Und als mich Don Andreazzi fragte, wie mir die dreiHuldgöttinncn gefallen? sagte ich: ich würde die Kunst des ge-summten Alterthums für ein einziges Stück von den dreien hinweggeben. Ich mochte nicht mehr sagen, denn ich fürchtete, die Herrendürften meiner Gemüthsbewegnng spotten.
Obgleich vier Wachskerzen ans dem Tisch brannten, war esdoch nicht hell genug, denn die Kerzen brannten trübe. Aberdasthat mir gar Wohl, denn ich hätte mich vor Allen verbergen undnur der Himmlischen allein gedenken mögen. Da schmälte DonAndreazzi und ließ vier andere Kerzen anzünden. Aber wie die-selbe» zu uns gestellt wurden, glimmten sie sogleich trübe.
Indem geschah ein schwerer Fall, wie es schien in einem Zim-mer neben dem, wo wir zu Tische saßen; Alle fuhren erschrockenauf, aber ich blieb rnbig, denn mein Herz war Wohl von ganz an-dern Dingen verschlungen. Als sie noch darüber sprachen, ist einDiener gekommen, der meldete: in der Gallerie sei die mittelsteder Bildsäulen von selbst nmgefallcn und ans der Nische hervor-gestürzt. — Da warf mir der Herr von Monte-Marciano einenBlick zu, und gab mir dadurch zu erkennen, daß nun geschehe, wasich begehrt. Don Andreazzi aber, der mir gegenüber saß, warplötzlich erschrocken, und verließ seinen Sitz, um zu sehen, wiesich das Unglück zugetragen, und ob Schaden an der Statue ge-schehen sei. Ich bebte von innerlichem Froste, und konnte keineSpeise mehr nehmen; auch fehlte mir aller Muth zum Reden.