Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
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Allein ich schlug es unter allerlei Vorwand aus. Zwar bei meinergar großen Ermüdung wäre mir die Ruhe allhicr willkommen ge-wesen, wenn ich nicht noch begieriger gewesen, zu erfahren, wiePiccolomini mir sein Versprechen erfülle» würde.

Nachdem wir einige Erfrischungen genossen, und über die wech-selnden Gespräche ein paar Stunden vergangen waren, äußertePiccolomini nochmals seinen Wunsch wegen der Bildsäulen, welche,wie er vorgab, ich zu sehen vor Ungeduld brenne. Ich wußte nicht,warum er mir diesen Wunsch andichtete, und achtete es für einenVorwand, daß wir einkchren und die Noffe auSrnhen lassen konnten.

Unsere Wirthe führten uns also ans dem Zimmer, eine breiteTreppe hinauf, durch einen langen Korridor; dann in einen großenhellerlcuchteten Saal, dessen Wände mit Gemälden behängen waren.In einer geräumigen Nische der Wand standen drei hohe, mar-morne Bildsäulen, weibliche Gestalten in Lebensgröße, die einemit einem Anker, die andere mit einem Buch, die dritte miteinem Kranz, vorstellend die christlichen Haupttugenden, Glauben,Liebe und Hoffnung. Da ich nun an den Gemälden vorübcrging,die gepriesenen Bildsäulen zu schauen, schlug mein Herz gewaltig-lich. Denn der wankende ungewisse Schein der Lichter schien gleich-sam den Marmor zu beleben. Nie habe ich ein größeres Meister-stück der Kunst zuvor gesehen gehabt, so wahrhaft dünkte michAlles. An einer dieser Statuen fehlte die Hand. Don Andreazziversicherte, die größten Bildhauer hätten sich geweigert, diese Handz» ersetzen, weil sie nichts so Vollkommenes und Würdiges auSzu-führen wüßten, daß es nicht schändlicher zum Ganzen stehe, alsder Fehler. Indem er dies sprach, gähnte er überlaut, und klagteüber Schläfrigkeit, vermeinend, der Weihrauch betäube ihn, dendie Diener wider seinen Willen angezündet. In der That standenwir fast in einer Wolke von Ranch. Piccolomini aber ergriff michbei der Hand, drückte sie mir heimlich, und sagte schnell und leiseZsch. Nov. Vll. 10