Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
Seite
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Die Fahrt dauerte lange. Als wir ausstiegen, war es begin-nende Nacht und sehr kühl. Da wir Schritte gegen uns kommenhörten, riß er mir das Band von den Augen. Ich befand michin einem unbekannten Hause, worin große Pracht zn herrschen schien.Der Schein der Kerzen blendete mich. Ein reichgekleideter Dienerführte uns in einen Saal, wo zwei Edelleute, die schon bei Jah-ren sein mochten, am Kaminfeuer beisammen saßen und Früchtespciseten. Als beide den Piccolomini erkannten, eilten sie ihmmit den Bezeugungen des Erstaunens und der Freude entgegen.Ich vernahm, daß man sich gegenseitig seit zwei Jahren nicht ge-sehen. Auch Piccolomini verbarg nicht, daß ihm dies WiedersehenFreude mache. Er stellte mich ihnen als einen Freund vor, wel-cher die Kunst liebe, und ihr zu Gefallen ans dem deutschen Landein die italienischen Städte gcreiset sei. Dann fragte er: ob diedrei storentinischen Bildsäulen noch vorhanden wären? Der Aeltesteder Edelleute, welchen er Don Andreazzi nannte, bejahte es.Nun bat er um Erlaubniß, daß man sie mir sehen lasse. DieHerren lachten und sprachen:Wie möget Ihr die Schönheit einesKunstwerks beim Schein der Lampen würdigen? Geduldet Euchbis zur morgenden Tageshelle. Bei Nacht sieht man keine Ge-mälde und Bildsäulen.

Don Al so »so aber sprach:Es thut mir leid, denn wir dür-fen bei Euch nicht übernachten; wenn die Rosse ausgernht haben,setzen wir die Reise fort. Doch nach vier Wochen sehen wir unsans längere Zeit."

Als er sich nun durch kein Bitten abwendig machen ließ, be-fahl Andreazzi den Dienern, welche Erfrischungen für uns brachten,den Gartensaal zu erleuchten, auch das Nachtmahl zu beschleuni-gen. Mit großer Höflichkeit drangen unsere gefälligen Wirthe inmich, daß ich Piccolomini solle allein reisen lassen, um ihre kleineGallcne von Kunstwerken mit Muße und am Tage zu schauen.