— 268 —
schwimmt einem da um die Augen. Und ich hätte wohl allezeithier wohnen mögen, wenn mich nicht der Spiritus familiaris anWelschland gemahnt. Ich fuhr den ganzen See entlang, und schliefam andern Ende desselben in einem schlechten Wirthshause.
Da es am Abend ein Gewitter gab, wollten wir uns des fol-genden Morgens nicht an einen andern See begeben, über wel-chen man muß, um nach Chur im Graubündner Lande zu ge-langen. Denn es stürmte sehr und war regnerisch, und jener Seeist von schroffen Felsbergen wie mit Mauern umgeben, daß manschwerlich in der Noth landen kann. Allein ein spanischer Haupt-mann, der nach Genna und mit uns über das Wasser wollte, sprachmir Muth ein. So ließ ich mir's gefallen, und wir stiegen ein.
Das Schifflein war sehr gebrechlich, von faulem Tannenholz,und so klein, daß wir beisammen sitzen mußten. Als wir unsmitten auf dem See befanden, erhoben sich Wind und Wellen undRegen fürchterlich, daß wir glaubten, versinken zu müssen. Selbstdie drei Schiffleute verzagten. Der spanische Hauptmann aber lachteob unserer Furchtsamkeit, und sagt zu mir in italienischer Sprache:es dünke ihn, in einer Wiege geschaukelt zu werden. Dann hüllteer sich in seinen rothen Mantel und sang in Wind und Wetter-wuth ein spanisches lustiges Liedlein.
Der Mann machte mir in seiner Vermessenheit fast Grausen,denn der Tod starrte uns aus jeder Welle an. „Herr Hauptmann,sprach ich, „seid Ihr Eures Lebens so gesichert, daß Ihr Euchnicht auf das letzte Stündlein vorbereitcn mögct?" Darauf ant-wortete der Spanier: „Habet guten Muth, es wird uns kein Un-glück widerfahren. Im Aeußersten biete ich Euch ein Plätzchen aufmeinem Scharlachmantel an; ich will ihn über die Wellen schlagen,wie ein Floß, und wir fahren sicher darauf hin."
Bei diesen Worten kreuzigte sich Thorhaimer, der im Stillen