Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
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In Lindau erfreute mich der Anblick des Kostnitzer-Sce's,durch welchen der Rhein fließt, ohne sein Wasser mit dem Wasserdes See'S zu vermischen. Die hohen Berge der Schweiz schwebenwie bunte Teppiche zwischen Erde und Himmel. Ich konnte desSchavens mich nicht ersättigcn, und der Thorhaimer wollte garnicht glauben, daß man über die hohen Gebirge Wegreisen könne.

Man ricth mir, die Pferde in Lindau zu lassen, oder sie zuverkaufen, weil ich an Berge und Seen kommen würde, über welchekeine Pferde geführt würden. Da verkaufte Thorhaimer unserebeiden Gaule, und weinte bitterlich, als er von den guten ThierenAbschied nahm.

Wir fuhren in einem großen Schiffe über den Kostnitzer-See,wie über einen Ungeheuern Spiegel, dessen Wiederschein am Bodendes Schiffes wie an den Rudern ein hellgrünes Licht warf. Auchhabe ich nie vorher so schön geträumt, als hier zwischen See undWolken, während die hohen Gebirge au mir vorübertanzten.

In Kostnitz wollte man mir zeigen, wo vor zweihundert Jahrendie Kirchenversaminlnng den Johannes Huß wegen Ketzerei ver-dammte. Mochte es aber nicht sehen, noch begreifen, wie frommeVäter in so schöner Landschaft ans Verbrennen der Menschen denkenkonnten. Gottes Barmherzigkeit ist wohl größer, als Menschen-crbarmen.

Nach einigen Tagen erreichten wir ans einem Wägelein die alteund gelehrte Stadt Zürich. Ein gewisser Wilhelm Stukiusdaselbst zeigte mir die Merkwürdigkeiten dieser Hauptstadt desSchweizerlandes, und auch die Häuser, wo Conrad Geßnerund Josias Simler geboren waren. Zwar von der hohen Schuleher hatte ich große Ehrfurcht für diese berühmten Männer getragen,doch dünkt' es mich thöricht, daß mir deren Häuser gewiesen worden.

Der See, an welchem die Stadt liegt, ist noch reizender, alsder Kostnitzer; solche Pracht von Dörfern, Gärten und Bergen