Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
Seite
259
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Ich beschloß zwar, ihr nicht mehr nachzugehen; aber als die Glockezur Tafel läutete, trat ich doch eilig zum Spiegel und betrachtetemich, daß ich der wunderschönen Jungfrau gefällig erscheinen möchte.Auch hätte ich gerne errathen mögen, ob ich in Gestalt und Ge-berde wirklich den Grafen Ulrich übertreffc?

Bei Tische war Ulrich sehr aufgeräumt und sprachselig; auchdie ganze Gesellschaft. Aber ich sah nicht vom Teller auf. Undals das Fräulein mich zuletzt anredete und sprach:was ist demHerrn begegnet?" entbrannte mein Herz, und es befiel mich einZittern, daß ich kaum antworten konnte. Auch entfernte ich michsogleich nach aufgehobener Tafel, und wollte an dem Kurzweil derGesellschaft keinen Antheil nehmen, obschvn mich sogar GrafUlrich bat.

So hielt ich mein Wort zwei Tage lang, aber den drittenverging es von selbst.

Denn als ich am Abend im gemauerten Gartenhäuslein ober-halb des Schlosses allein saß, und mich am Gesang der Vögel imnahen Wald ergötzte, auch sonst vielfältig träumte, hörte ich deut-lich ein leises Weinen und Seufzen unfern von mir. Ich tratalsbald aus der Hütte, und sah das Fräulein auf einem Stückeingefallener Mauern drei Schritte von mir fitzen und die Angentrocknen. Bei meinem Anblick erhob es sich jählings und wolltedavon. Ich aber ergriff die schöne Hand und küßte dieselbe ehr-erbietig und sprach: Will das gnädige Fräulein seinen treuestenDiener fliehen?" Darauf folgte es mir in das Gartenhäuslein,und setzte sich auf die Bank darin, ohne zu reden. Es verbargseine Thränen und wollte scheinen, als sei ihm nichts widerfahren,gab auch auf mein dringendes Fragen nur den Bescheid:DaSMcnschenhcrz ist nicht allezeit wohlauf. Der Herr wird es ambesten wissen. Auch mag eS ihm gleich gelten, ob ich so oderandern Sinnes sei!"