Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
Seite
228
Einzelbild herunterladen
 

228

und Könige, meinen Willen zu eheen. Aber ich werde alt. MeineNolle wird bald ans Ende gespielt sein. Was ich baute, wirdwieder einstürzen. DaS macht mich mißvergnügt. Ich hatte keineLust im Leben, als Anschauung und Bewunderung meiner eigenenKraft. Wie ist das am Ende so wenig! Ich bin heut um nichtsglückseliger, als da ich noch neben Dir in der Werkstatt des armenTöpfers arbeitete. Und nun, weiser Mikon, so verschieden vondieser Werkstatt hinweg unsere Lebensbahnen waren: was denkstdu vom Agathokles?"

Mikon betrachtete den König mit langem Schweigen. Dann spracher:Agathokles, ich bewundere deine Kraft; nicht die Kraft, mitder du einen Theil der Welt umwälztest, sondern mit der du dieLast deines eigenen Lebens trägst."

Und warum nicht auch die Kraft des Töpfers, der die könig-liche Gewalt von Sizilien an sich riß, und mit seinem Ruhm dieWelt füllte?" fragte der Fürst.

Weil dies nicht die Kraft des Agathokles, sondern die Machtdes Verhängnisses war, welches sich deiner bediente. Du hast keinenAugenblick lang das Glück geleitet, sondern das Glück leitete dich.Du warst es nicht, der den Pfeilen nach dir zielender Bogen ge-bot, dein Herz zu verfehlen, oder dem Abgruude des Weltmeers,dein Schiff nicht zu verschlingen. Als du in Gela siebe» Wundenempfingst, war es nicht deine Klugheit, welche den Schwerternbefahl, um kein Haar tiefer zu schneiden, damit dein Lebensfadennnzerrissen bleibe. Die Umstände beherrschten dich. Als geschickterSchwimmer wichest du gefährlichen Klippen aus; aber daß dich diezerschmetternde Welle nicht ergriff, war nicht das Werk deinerKraft. In Karthago geboren, oder in Griechenland, wärest du einAnderer geworden. Du hast nichts erzwungen, was sich nicht vonselbst darbot; du hast nichts zertrümmert, was nicht schon zum Ein-