Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
239
Einzelbild herunterladen
 

239

sondern auch den gedemüthigten Fürsten, dem ein Blitz dasGebäude seiner Hoffnungen zertrümmert hatte. Wahrschein-lich war es eine Thräne, die dem Herzog auf die Hand fielund seine Aufmerksamkeit rege machte, denn er blickte aufden Grafen und sagte:Oxford Philips»» mein alter mein einziger Freund, hast du mich aufgefunden in diesemSchlupfwinkel der Schande und des Elends?"

Ich bin nickt Euer einziger Freund, gnädiger Herr," erwie-derte Oxford. Der Himmel hat Euch viele anhänglicke Freundeunter Euern angeborenen und ergebenen Unterthanen gegeben.Aber obgleich ein Fremder, und trotz der Treue, die ick mei-nem angestammten Fürsten schuldig bin, werde ich keinemunter ibnen in der Achtung und Ehrerbietung weichen, dieich Euer Gnaden im Glücks gezollt habe und Euch nun imUnglück zu erweisen komme."

Za wohl Unglück!" sagte der Herzog;unersetzliches,unerträgliches Unheil! Ich war kürzlich noch Karl von Bur-gund, genannt der Kühne jetzt bin ich zweimal geschlagenvon dem Auswnrf deutscher Bauern; meine Standarten finderobert, meine Gewappneten in die Flucht getrieben, meinLager zweimal geplündert und beidemale ging ein Schatz ver-loren, der dem Werthe der ganzen Schweiz mehr als gleich-kommt. Ich selbst bin gejagt worden wie eine elende Ziegeoder Gemse der furchtbarste Groll der Hölle hat nie mehrSchmach auf das Haupt eines Fürsten gehäuft!"

Im Gegentheil, gnädiger Herr," sagte Oxford,das isteine Probe des Himmels, welche Geduld und Seelenstärkeerfordert. Der tapferste und beste Ritter kann bügellos wer-den; nnr ein Feigling bleibt auf dem Sande der Stechbahnliegen, wenn ihm ein Unfall begegnet ist."

Ha, Feigling, sagst du?" entgegnete der Herzog und