187
Verwerfen können, sobald der eine oder der andere sich dieMühe nehmen will, die Hand nach ihm auszustrecken."
Reichliche Thränen flössen dem alten König über dieWangen, als diese wenig schmeichelhafte Aussicht vor ihm er-öffnet ward. Er konnte sich selbst nicht verbergen, daß erdurchaus nicht im Stande sei, sich und sein Land zu verthei-digen; er mußte zugeben, daß er oft an die Nvthwendigkeitgedacht, mit einem seiner mächtigen Nachbarn sich wegen sei-ner Thronentsagung in Unterhandlungen einzulafsen.
„Dein Interesse, Margarethe, so unfreundlich und hartdu bist, war es, welches mich bis jetzt abhielt, zu Maßregelnzu schreiten, die meinem Gefühl schmerzlich, aber vielleicht ambesten auf meinen Vortheil berechnet sind. Ich hegte dieHoffnung, mich halten zu können so lange ich lebe. Und danndachte ich, du würdest mit den Talenten, welche dir der Him-mel verliehen, Mittel finden, um dem Unglück zu entgehen,dem ich mich nur dadurch entziehen kann, daß ich mir dieGedanke» daran fern halte."
„Wenn Zhr ernstlich von meinem Vortheil sprecht," sagtedie Königin, „so wißt, daß Ihr durch eine Verzichtleistungauf die Provence den eifrigsten und fast einzigen Wunsch be-friedigen würdet, welchen mein Herz nährt. Aber, der Himmelsei mein Zeuge, um Euretwillen, gnädiger Herr, sowohl alsmeinetwegen rathe ich Euch, mir zu willfahren."
„Sag nichts mehr davon, Kind; gib mir das Pergament mitder Verzichtleistung, und ich will es unterzeichnen: ich sehe,du hast sie schon ausgefertigt, laß uns unterschreiben unddann wollen wir Len Jägern Nacheilen. Wir müssen dasMißgeschick ertragen; aber es ist gar nicht nöthig, daß wiruns hinsetzcn und darüber weinen."