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18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
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Die Reisenden bemerkten bei jeder Wendung Zeichenvon dem eigcnthümlichen Wesen des Königs. Die Provence,als derjenige Tbeil von Gallien, in welchem zuerst römischeGesittung heimisch wurde und welcher noch länger der Wohn-ort der griechischen Colonisten war, die Marseille gründeten,enthält noch mehr von den prächtigen Ueberresten alter Bau-kunst, als irgend ein anderes Land in Europa, Italien undGriechenland ausgenommen. Der gute Geschmack KönigR6ne's hatte einige Versuche zu Säuberung und Herstellungdieser Denkmäler des Alterthums machen lassen. Fand sichirgendwo ein Triumphbogen oder ein alter Tempel, so wur-den die Hütten und Schuppen in der Nähe derselben wegge-schaffr und wenigstens dafür gesorgt, daß der drohende Ein-sturz verzögert wurde. Gab es einen marmornen Brunnen,welchen der Aberglaube einer einsamen Wassernymphe weihte,so wurden Oliven-, Mandel- und Orangenbäume um ihnhergepflanzt, der Wasserbehälter ward hergestellt und auf'sNeue dazu angehalten, seine krystallnen Schätze zu bewahren.Die ungeheuren Amphitheater und riesigen Säulenhallen er-fuhren dieselbe Sorgfalt und bewiesen, daß die erhabenstenMuster der schönen Künste selbst im Verlauf der sogenanntenfinsteren und rohen Zeiten an König Ren« einen Bewumderer und Erhalter gefunden hatten.

Auch eine Veränderung in den Sitten ließ sich wahr-nehmen, wenn man von Burgund und Lothringen, wo diedeutsche Derbheit sich in der Gesellschaft aussprach, in dasHirtenland der Provence eintrat, wo der Einfluß eines mil-den Himmels und einer klangvollen Sprache in Verbindungmit den Bemühungen des romantischen, alten Monarchen,und dem allgemein verbreiteten Sinn für Musik und Dicht-kunst eine Gesittung in das Betragen einzeführt hatte, welche

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