Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
106
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macht Euch Schande, oder vielleicht Eurer Mutter, wennEuer Vater einen hübschen Knecht gehabt hat; denn ein sol-cher wäre der passende Vater für einen, der sich freiwilligzum Leibeigenen gemacht."

Kein Leibeigener, gnädiger Herr," crwiederte der Land-ammann,sondern ein freier Mann, der weder Andere un-terdücken noch sich von Andern unter dem Joch halten lassenwill. Mein Vater war ein edler Herr und meine Muttereine tugendhafte Frau. Aber ein höhnender und spöttischerScherz wird mich nicht verhindern, mich ruhig der Sendungzu entledigen, mit welcher mich mein Vaterland beauftragt.Die Bewohner der rauhen und unwirthbaren Alpenländerwünschen, mächtiger Herr, im Frieden mit alle» ihren Nach-barn zu leben und bei der Regierungsweise zu verbleiben,die sie als mit ihren Verhältnissen und Gewohnheiten ammeisten übereinstimmend selbst gewählt haben. Sie lassenallen anderen Staaten und Ländern in dieser Beziehung ihrenfreie» Willen. Sie wünschen besonders in Frieden und Einig-keit mit dem fürstlichen Hause Burgund zu bleiben, dessenGebiet ihre Besitzungen an so vielen Punkten berührt. Gnä-diger Herr, sie wünschen es, sie gehen Euch darum an, jasie verstehen sich dazu, Euch darum zu bitten. Man hat unshalsstarrige, unnachgiebige und freche Verächter der Machtund die Häupter von Aufständen und Empörungen genannt.Zum Beweise des Gegentheils, gnädiger Herr, finde ich, derich noch vor Niemand als vor dem Himmel gekniet, keineSchande darin, vor Eurer Hoheit das Knie zu beugen, alsvor einem unumschränkten Fürsten, der vor versammeltemHofe auf seinem Gebiete sich befindet und von seinen Unter-thanen Verehrung als eine Pflicht und von Fremden als eineHöflichkeit zu verlangen berechtigt ist. Ein eitler Stolz,"