Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
62
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Der Herzog durchschritt das Gemach mit ungleichenSchritten und in großer Bewegung. Seine dicken Augen-Vraunen verdeckten fast gänzlich die Augen, seine Hände wa-ren zu Fäusten geballt, und er knirschte mit den Zähnen.Zuletzt schien er einen Entschluß zu fassen. Er schellte miteiner silbernen Glocke; die auf seinem Tische stand.

Contay," sagte er zu dem Kammerherrn, der hineintrat,sind die Schufte aus den Bergen schon hingerichtet?"

Nein, gnädiger Herr; aber der Scharfrichter wartet ih-rer, sobald der Priester ihre Beichte angehört hat."

Laßt sie am Leben," sprach der Herzog.Morgen wol-len wir hören, wie sie ihr Benehmen gegen uns rechtfertigenwollen."

Contay entfernte sich mit einer Verbeugung aus demGemach. Der Herzog wandte sich hierauf gegen den Englän-der und sagte mit einer unbeschreiblichen Mischung von Hoch-mut!), Vertraulichkeit und selbst Güte, aber mit aufgeheiter-ter Stirn und ruhigem Blicke.Wir sind quitt jetzt, meinHerr von Orford -- Ihr habt Leben um Leben erhaltenja, um den Unterschied auszugleichen, der sich zwischen dengetauschten Maaren finden dürfte, habt Ihr sechs für einsbekommen. Ich werde also nickt mehr darauf achten, wennIhr mir davon sprechet, daß mein Pferd bei Montl'höry ge-stürzt, und was Ihr dabei für Thaten gethan. Viele Fürstenbegnügen sich, in's Geheim diejenigen zu hassen, welche ihnenähnliche Dienste erwiesen; das ist nicht meine Art es är-gert mich blos, wenn man mich erinnert, daß ich eines solchenDienstes bedurft habe. Meiner Treu', ich ersticke fast an derAnstrengung, die es mich gekostet hat, einem bestimmten Ent-