„Ihr spottet meiner, Orford," erwiederte die unglücklicheKönigin, ,.oder Ihr täuscht Euch selbst, wenn Ihr noch dieMargarethe vor Euch zu sehen glaubt, die nie ein Wort sprach,ohne Ursache, und deren geringste Handlungen einen Grundhatten. Ach! ich bin nicht mehr dasselbe entschlossene und ver-ständige Wesen. Das Fieber des Kummers macht, Laß ichjeden Ort hasse, wo ich mich befinde und eine unwiderstehlicheUngeduld treibt mich von einem Fleck zum andern. Ihr sagt,ich sei in Sicherheit am Hofe meines Vaters; kann es aberein Geist wie der meinige dort aushalten? Kann eine Frau,der man das schönste und reichste Königreich in Europa ge-raubt — die Sckiaaren edler Freunde verloren hat — kanneine Frau ohne Gatten, eine kinderlose Mutter — auf welcheder Himmel dis Schaale seines Zorns bis auf die Neige aus-geschüttelt, kann ich mich zur Gesellschafterin eines schwa-chen Greises erniedrigen, welcher in Liedern und Musik, inMummereien und Tollheiten, bei Harfenspiel und Verse-schweißen Trost für Alles findet, nicht nur, was die ArmuthErniedrigendes hat, sondern — und das ist noch schlimmer,— auch für alles Lächerliche und Verächtliche?"
„Mit Eurer Erlaubniß, gnädige Frau," entgegnete ihrRath; „tadelt den guten König Ren« nicht, wenn er, verfolgtvom Unglück, sich bescheidenere Quellen des Trostes zu eröff-nen gewußt hat, die Euer stolzeres Gemüth verschmäht. EinKampf seiner Minnesänger hat für ihn so viel Reiz als einTurnier; und eine Krone von Blumen, die seine Troubadoursgewunden und in Sonnetten besungen haben, scheint ihm hin-reichender Ersatz für die Kronen von Jerusalem, Neapel undbeider Sicilien, von denen er blos die leeren Titel besitzt."
„Sprecht mir nicht von diesem mitleidswürdigen Greise,"sagte Margarethe; „er ist unter dem Haß seiner tödtlichsten