Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

236

Schutz u»d die Rechte der Gastfreundschaft, Mein Großvatersah, daß der Fremde den Grad eines Adepten besaß undgewährte ihm seine Bitte, Er verbürgte stch für ihn, daß ersich stellen und auf die gegen ihn erhobene Anklage in Jahrund Tag antworten würde. Es scheint, daß er das Rechthatte, Liesen Aufschub zu Gunsten seines Schützlings zu for-dern. Die ganze Zeit über studirten sie mit einander undtrieben ihre Forschungen in den Geheimnissen der Naturwahrscheinlich so weit, als es dem Menschen möglich ist. Alsder verhängnißvolle Tag berankam, an welchem der Fremdesich von seinem Wirth trennen mußte, bat er um die Er-laubniß, seine Tochter auf's Schloß kommen zu lassen, umihr sein letztes Lebewohl zu sagen. Diese wurde insgeheimhergeholt, und nachdem sie einige Tage da gewesen, schlugder Baron vor, ihr einen Zufluchtsort bei sich zu gewähren,da die Zukunft ihres Vaters sehr ungewiß schien. Er hegtedabei die Hoffnung, mit ibrer Beihilfe weitere Fortschrittein den Sprachen und Wissenschaften des Morgenlandes zumachen. Danischmend, ihr Vater, willigte darein und ver-ließ das Schloß, um sich vor dem Vehmgericht in Fulda zustellen. Was darauf erfolgte, ist unbekannt; wahrscheinlichwurde er durch das Zeugniß des Freiherrn von Arnheim ge-rettet; vielleicht wurde er Schwert und Strick übergeben. Werdarf von solchen Dingen sprechen?

Die schöne Perserin wurde die Gemahlin ihres Vor-munds und Beschützers. Mit einer Menge guter Eigenschaf-ten verband sie einige Unbesonnenheit. Sie benutzte ihrefremde Kleidung und ihre ausländischen Sitten, ihre, wieman sagt, wunderbare Schönheit, und eine Beweglichkeitohne Gleichen, um unwissende, deutsche Damen zu erschreckenund in Staunen zu setzen. Das konnte ihr nicht schwer wer-