Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
232
Einzelbild herunterladen
 

232

fortzusaufen bereti ist. Sie wurde blos durch den Gedankendaran zurückgehalten, daß sie nach dem fragen mußte, wassie lieber ohne dies zu holen gegangen wären.

Noch gegen mehrere andere Regeln der guten Lebensartverstieß sie, als das Essen vorüber war und der Diener sichentfernt hatte. Sie nahm oft mit zu wenig Umständen ander Unterhaltung Theil, und es begegnete ihr häufig, daßsie ihre Gebieterin bei ihrem Taufnamen Anna nannte undallen Vorschriften des gesitteten Tons zum Trotz, sie sowohlals Arthur, mit Du anredete, welches damals eine grobeVerletzung der deutschen Höflichkeit war so gut als jetzt. IhreVersehen hatten aber wenigstens etwas Gutes. Sie gaben denjungen Leuten etwas zu denken, was nicht mit ihrer Lage zusam-menhing; sie setzten dieselben in Stand, ihre Aufmerksamkeit vonihrer eigenen Verlegenheit abzuziehen und auf des armen Känn-chens Kosten ein Lächeln auszutauschen. Es dauerte nichtlange, bis sie es bemerkte und halb beleidigt, halb erfreut,eine Veranlassung zu finden, um ihre Gedanken auszuspre-chen, rief sie mit Keckheit:Ihr habt Euch beide in der Thatgehörig auf meine Kosten lustig gemacht, und das Alles, weilich lieber aufgestanden wäre und geholt hätte, was ich brauchte,als daß ich wartete, bis der arme Junge, der immer zwischendem- und Kredenztisch hin- und hertraben mußte, Zeitfand, es mir zu bringen. Jetzt lacht Ihr über mich, weilich Euch die Namen gebe, welche Ihr von der heiligen Kirchein der Taufe erhalten habt; und weil ich Dich und Du zuEuch sage, und mit meinem Junker und meinem Fräuleinspreche, wie ich es thun würde, wenn ich auf meinen Knieenläge und zum Himmel betete. Aber Euern neuen Grillenzum Trotz, werde ich Euch sagen, daß Ihr nichts seid, alsein paar Kinder, die nicht wissen, was sie wollen, und den