Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
230
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denn die Söldner sind unzufrieden über das Ausbleiben desSoldes, den man ihnen versprochen; und wenn das der Fallist, so gleicht nichts so sehr einem wüthenden Bären, als einLanzenknecht."

Wir wollen also hinuntergehen, Mädchen; es ist vielleichtfür Jahre die letzte Nacht, die wir in einiger Freiheit zubrin-gen können."

Ich will mich nicht darauf einlasien, die auffallende Ver-legenheit zu beschreiben, mit der sich Arthur Philipson undAnna von Geierstein zusammentrafen. Keines hob die Augen;sie brachten nur unverständliche Worte hervor, als sie einandergrüßten, und das Mädchen selbst erröthete nicht stärker alsihr blöder Liebhaber. Die lustige Schweizerin, deren Begriffevon Liebe etwas von der Freiheit der Sitten des alten Arka-diens an sich hatten, runzelte die Stirne, meist ans Verwun-derung und aus Verachtung über ein Paar, das nach ihrerAnsicht mit so unnatürlicher und gezwungener Zurückhaltungzu Werke ging. Arthur bot mit einer riefe» Verbeugungund hoher Röthe dem jungen Fräulein die Hand; und Annavon Geierstein bewieß, als sie die Höflichkeit erwiederte, ebenso viel Furchtsamkeit, Erregung und Verlegenheit. Mit einemWort, obgleich sich wenig oder nichts Verständliches zwischendem wirklich schönen und reizenden Paare zutrug, wurde dochdie Zusammenkunft dadurch nicht minder anziehend. Arthurführte das Mädchen, wie es die Pflicht jedes wohlerzogenenMannes in dieser Zeit war, in's nächste Zimmer, wo dasEssen bereit stand; und Hannchen, die mit besonderer Auf-merksamkeit auf Alles Acht gab, was vorfiel, ward mit Er-staunen gewahr, daß die Förmlichkeiten der höheren Ständeselbst aus ihren freien Geist eben so viel Einfluß äußerten.