Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

153

über welchen sich in einer späteren Zeit Erasmus mit großemNachdruck als über den Gegensatz zu dem finstern und mürri-schen Empfang ausläßt, auf welchem sich die Fremden ineinem deutschen Wirthshause gefaßt halten müßten. Philipsonerwartete daher von einem geschäftigen, höflichen und geschwätzi-gen Wirth, von der Wirthin und ihrer Tochter, beide lieb-reich, gefallsüchtig und lustig von dem lächelnden und ge-schmeidigen Kellner und einer gefälligen Hausmagd mitGrübchen im Kinn empfangen zu werden. Die besseren Her-bergen >n Frankreich batten auch gesonderte Zimmer aufzu-weisen, in denen die Fremden ihre Kleider wechseln oder inOrdnung bringen, wo sie ganz allein schlafen und ihr Gepäcksin Sicherheit bringen konnten. Aber in Deutschland gehörtall das noch zu den größten Seltenheiten; und im Elsaß, demgegenwärtigen Schauplatz unserer Handlung, wie in den an-dern Zugebörden deS Reichs betrachtete mau Alles, als wei-bisch, was über die Vorkehrungen hinausging, welche zu Be-friedigung der Bedürfnisse der Reisenden unumgänglich nöthigwaren. Selbst diese wurden noch roh und mittelmäßig zube-reitet und mit Ausnahme des Weins sparsam verabreicht-

Als der Engländer sah, daß Niemand am Thore erschien,fing er an, sein Dasein durch lautes Rufen kund zu thun;zuletzt stieg er ab und polterte aus Leibeskräften geraumeZeit an die Thore des Wirlhshauses, ohne die geringste Auf-merksamkeit erregen zu können. Endlich schob sich der Kopfeines grauen Knechts durch ein kleines Fenster und fragte,was er wollte, mit einer Stimme, in welcher mehr Verdruß überdie Störung durchklang, als Hoffnung auf den Vortheil, dendie Ankunft eines Gastes bringen konnte.

Ist das ein Wirhshaus?" erwiedcrts Philipson.