Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
148
Einzelbild herunterladen
 

148

etwa zwei Stunden von hier. Wir können sie bei hinlängli-chem Tageslicht erreichen und Ihr werdet für Euer Geld dortgut aufgehoben sein."

Der englische Kaufmann zögerte einen Augenblick. Erhatte keine Lust, sich wieder zu irgend Jemand auf der Straßezu geselle» und wenn auch der Priester bei seinem Fahrenziemlich gut aussah, so war doch der Ausdruck seiner Mienekeineswegs Vertrauen erweckend. Im Gegentheil, etwasGeheimnisvolles und Düsteres trübte seine obgleich hoheStirne, ein ähnlicher Ausdruck erglänzte in seinem kalten,genauen Auge und deutete auf ein strenges und herbes Ge-müth. Aber trotz dieses abschreckenden Umstandes hatte derPriester erst kürzlich Philipson durch die Entdeckung der Ver-rätherei seines heuchlerischen Führers einen bedeutenden Dienstgeleistet, und der Engländer war nicht der Mann, der sichauf seinem Weg durch eingebildete Vvrurtheile gegen dieBlicke, oder Las Betragen eines Menschen, oder durch Furchtvor Anschlägen gegen ihn selbst, erschrecken ließ. Er erwogblos bei sich die Seltsamkeit seines Geschicks, welches für ihnuothwendig machte, vor dem Herzog von Burgund in einerWeise zu erscheinen, durch die er ihn für sich gewinnen konnte,und ihn doch zwingen zu wollen schien, sich mit Gesellschafterneinzulaffen, welche diesem Fürsten am alleranstößigsten seinmußten. Und das mußte, wie ihm wohl bekannt war, inBezug auf den Pfarrer von der Sankt Paulskirche der Falksein. Nachdem er sich einen Augenblick bedacht, nahm ermit Höflichkeit Las Erbieten des Priesters an, ihn an einenOrt zu führen, wo er ausruhen und Nahrung zu sich neh-men konnte. Dies mar, ehe sie Straßburg erreichten, durch-aus nöthig für sein Pferd, auch wenn er selbst dessen hätteentbehren können.