Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
 

128

Sie ritt hierauf nahe zu dem junge» Philipsvn hin undsprach in schweizerischer Mundart, denn bisher hatte sie sichder deutschen Sprache bedient.Erschreckt nicht, aber höretmich!" und die Stimme war die Anna's von Geierstein.Ge-rathct nicht in Bestürzung, sage ich oder zeigt wenigstenskeine Verwunderung. Ihr seid von Gefahren umgeben.Auf dieser Straße besonders kennt man Euer Geschäft.Man lauert Eurem Leben auf. Geht über den Fluß bei derFähre an der Kapelle oder Hans-Fähre, wie man sie gewöhn-lich nennt."

Hier kam der Führer so nahe zu ihnen heran, daß es ihrunmöglich war, das Gespräch fortzusetzen, ohne behorcht zuwerde». Fm selben Augenblick erhob sich eine Waldschnepfeaus einem Gebüsch und die junge Dame entsendete ihren Ha-bicht zur Verfolgung derselben.

Sa ho sa ho wo ha!" schrie der Falkenier ineinem Tone, daß ringS die Gebüsche wiederhallten und rittdavon. Der ältere Philipsvn und der Führer sogar verfolgtendie Thiere eifrig mit den Augen, so anziehend war diese Jagdfür Leute aus allen Ständen. Aber des Mädchens Stimmewar eine Lockung, welche die Aufmerksamkeit Arthur s vonnoch anziehenderen Gegenständen abgezogen haben würde.

Geht über den Rhein," wiederholte sie abermals,beider Fähre von Kirchhofen auf der anderen Seite des Flusses.Kehret im goldene» Vließ ein; dort werdet Ihr einen Führernach -Straßburg finden. Ich kann nicht länger hier bleiben."

Bei diesen Worten hob sich das Mädchen im Sattel,gab dem st'ferde einen leichten Schlag mit den Zügeln unddas nittthige Thier, das schon ungeduldig wurde über ihrenVerzug und das eifrige Laufen seiner Gefährten, flog mitsolcher Elle davon, als hätte es Len Flug des Habichts gleich-