Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
108
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Ihr höret, wie unsere Meinungen gckheilt lind," sagteder Landammann zu Philipson;was ist Euer Gutachten?"

Ich möchte Euch zuerst fragen," entgegnete der Eng-länder,welchen Antheit Ibr an dem Sturm auf eine Stadt,die von des Herzogs Truppen besetzt war und an der Hin-richtung des Stadthalters genommen habt?"

Der Himmel sei mein Zeuge," antwortete der Lan-dammann,daß ich von keinem Plan zu einer Erstürmungder Stadt etwas wußte, bis ste unerwartetcrweise Stattfand."

Und was die Hinrichtung Hagenbachs betrifft," sagteder Priester,so schwöre ich Euch, Fremdling, bei meinemheiligen Orden, daß ste nach der Vorschrift eines dazu befug-ten Gerichtshofes vorgenommcn wurde, dessen Urkheil selbstder Herzog zu achten gezwungen ist, und dessen Verfahrendie Gesandten der Schweizer hätten weder beschleunigen nochverzögern können."

Wenn dies der Fall ist und Ihr beweisen könnt, daßIhr einem Verfahren fremd geblieben seid," versetzte Philip-son,welches der Herzog von Burgund höchst übel nehmenmuß, wurde ich Euch auf jeden Fall rathen, Eure Reise fort-znsehen. Ihr dürft gewiß seiu, daß Ihr bei diesem Fürstenein gerechtes und unpartheissches Gehör und vielleicht einegünstige Antwort erlangen werdet. Ich kenne Karl von Bur-gund; ich kann sogar sagen, daß ich ihn in Betracht der Ver-schiedenheit unseres Rangs und Lebenswegs gut kenne. Erwird äußerst aufgebracht sein über die ersten Nachrichten vondem was bier vvrgefallen, aber er wird cs nicht zu EurenUngunsten auslegen. Wenn Ihr aber im Laufe der Unter-suchung im Stande seid, Euch von diesen schlimmen Anschul-digungen zu reinigen, so könnte vielleicht der Gedanke an