ihres fremden Ursprungs ihr großes Glück weniger Neid er-regte, als in einem so seltsamen Falle zu erwarten, stand.Ueberdies setzte ihre Freigebigkeit Jedermann in Erstaunen,der sich ihr näherte, und gewann ihr alle Herzen. Ihr Reich-thnm mußte unermeßlich sein, denn die vielen reiten Juwe-.len, die sie unter ihre schönen Freundinnen vertheilte, haltenihr sonst keinen Schmuck für sich selbst gelassen. Diese gutenEigenschaften, vor Allem aber ihre Freigebigkeit, verbundenmit einer Einfachheit des Sinns und Wesens, bildeten einenschönen Gegensatz zu den tiefen erworbenen Kenntnissen, inderen Besitz man sie wußte — dies und daß sie gänzlich freiwar von Prahlerei, machte, daß man ihr unter den Gesell-schafterinnen ihre Ueberlegenheit verzieh. Doch blieben einigeEigenthümlichkeiteu nicht unbemerkt; der Neid übertrieb sievielleicht und sie zogen eine geheimnißvolle Scheidewand zwi-schen der schönen Hermione und den bloßen Sterblichen, mitdenen sie lebte und umging.
Beim fröhlichen Tanzen kam ihr Keine gleich an Leich-tigkeit und Beweglichkeit und sie vollführte dasselbe gleicheinem luftigen Wesen, Sie konnte, ohne durch die Anstren-gung zu leiden, das Vergnügen fortsetzen, bis sie den rüstig-sten Tänzer ermüdet hatte. Selbst der junge Herzog vonHochspringen, der in ganz Deutschland für unermüdlich indieser Leibesübung galt, war, als er eine halbe Stunde mitihr getanzt hatte, es aufzugeben gezwungen und warf sichvöllig erschöpft mit dem Ausruf auf ein Lager, er habe mitkeinem Weib, sondern mit einem Irrwisch getanzt.
Andere versicherten leise, sie zeige dieselbe übernatürlicheGeschwindigkeit wie beim,Tanzen, wenn sie ni't ihren Gesell-schafterinnen in den Jrrgängen des Schloßgartens Versteckensspiele oder sich ähnlichen Belustigungen hingebe, bei denen