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18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
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geben." sagte er.Sie haben ihre Güte gegen uns so weitgetrieben, als ihre Besorgnisse »erstatteten, und das ist nichtwenig von ihnen, meine Herren, denn keine Leidenschaft istso wechsellos selbstsüchtig als die Furcht. Anna, meineLiebe, Lu bist müde. Geh in das Zimmer, das man dir be-reitet hat und Lisette wird dir von diesem reichen Norrathbringen, was für dein Abendessen am besten paßt."

Damit führte er seine Nickte in das kleine Schlafzimmer,sah sich darin mit vergnügter Miene um und wünsckte ihrgute Nacht; aber es lag etwas auf des Mädchens Stirne,welches zu verkündigen schien, daß ihres Oheims Wünschenicht in Erfüllung gehen würden. Seitdem sie die Schweizverlassen hatte, waren ihre Blicke umwölkt gewesen und ihrGespräch mit denen, die ihr nahe kamen, war kürzer undseltener geworden; ihr ganzes Aussehen trug ein Geprägevon heimlicher Angst oder verborgenem Kummer. Solchesentging ihrem Oheim nicht und er schrieb es natürlich demSchmerz über die nahe bevorstehende Trennung von ihm, undihrer Betrübniß über die Entfernung von dem ruhigen Auf-enthalt zu, an welchem sie so viele Jahre ihrer Jugend ver-bracht hatte.

Aber Anna von Geierstein war kaum in das Gemach ge-treten, als ihr ganzer Körper heftig zu zittern anfing, dieFarbe völlig von ihren Wangen wich und sie auf eines derBetten sank. Hier stützte sie die Ellbogen auf die Knie,drückte ihre Hände an die Stirne und glich so eher einerPerson, die von innerem Kummer niedergedrückt oder vonschwerer Krankheit gepeinigt wird, denn einer von langerReise ermüdeten, die sich eilig der nöthigen Ruhe überlassenwill. Arnold war nicht scharfsichtig genug, um den Quellenweiblicher Gemüthsbewegungen nachzugehen. Er sah, daß