Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

93

der allzunahen Verwandtschaft keine Hoffnung auf eine Ver-bindung zwischen ihr und einem meiner Söhne machen, ob-gleich eine solche mein eifrigster Wunsch gewesen wäre. Derjunge Rudolph Donnerhügel ist tapfer und hoch geachtet beiseinen Mitbürgern, aber zu ehrgeizig und zu begierig nachAuszeichnung, als daß ich ihn meiner Nichte zum Begleiterdurch ras Leben wünschen möchte. Er ist von heftiger Ge-müthsart, wenn auch sein Herz, wie ich glaube, gut ist. Ichstehe aber im Begriff unangenehmerweise von allen Sorgenin dieser Beziehung befreit zu werden, denn mein Bruder,der Anna sieben Jahre lang vergesse» zu haben schien, verlangtin einem mir kürzlich zugekommenen Brief, Laß ich sie ihmzurückgcbe. Ihr könnt lesen, mein werther Herr, denn EuerGewerbe macht das nöthig. Seht, hier ist der Brief; dieAusdrücke sind zwar kühl, aber weit weniger unfreundlich,als die unbrüderliche Botschaft Lurch Eitel Schreckenwald.Leset laut, wenn ich bitten darf!

Der Kaufmann las also:

Bruder ich danke Dir für die Sorgfalt, die Dumeiner Tochter erwiesen; denn sie war bei Dir in Sicherheit,während sie sonst in Gefahr gewesen wäre; sie wurde gütigbehandelt, während sie sonst Bedrückungen ausgesetzt gewe-sen wäre. Jetzt bitte ich Dick, sie mir zurückzusenden, undhege das Vertrauen, sie werde mit all den Tugenden kom-men, welche sich für ein Weib in j dem Stande geziemen,und sie werde geneigt sein, die Gewohnheiten einer Schwei-zer Bäuerin gegen den Anstand eines Mädchens von hoherGeburt fahre» zu lassen. Leb' wohl! Ich danke Dir noch-mals für Deine Sorgfalt, und wollte sie gern vergelten,wenn es mir möglich wäre. Aber Du brauchst nichts, wasich Dir gebe» kan», La Du auf den Rang verzichtet, in