92
ter zu spreche», da deine Hunde mit dem Blute des SohneSbefleckt sind." Der Elende entfernte sich, wahrend ich sprach,nahm aber i» der ihm gewöhnlichen entschlossenen und frechenWeise Abschied. „Lebe wohl," sagte er, „Graf pvn Pflugund Harke, leb' wohl, edler Genosse schlechten Bürgerpacks "Er verschwand und befreite mich von der heftigen Versuchung,die in mir arbeitete und mich drängte, mit seinem Blute denPlatz zu beflecken, welcher Zeuge seiner Grausamkeiten undVerbrechen gewesen. Ich führte meine Nichte in mein Hansund überzeugte sie bald, daß ich ihr aufrichtiger Freund sei;ich gewöhnte sie, als wäre sie meine Tochter gewesen, an allein unseren Bergen heimischen ttebungen. Während sie darindie Dirnen der Gegend übertrifft, entsprühen ihr solche Funkenvon Verstand, Mnth und zartem Gefühl, wie sie — die Wahr-heit zu gestehen — den einfachen Mädchen dieser wilde» Bergekeineswegs eigen sind, sondern die einen edleren Stamm undeine höhere Erziehung verrathen. Sie sind aber so glücklichmit Einfachheit und Artigkeit gemischt, daß Anna von Geier-stein mit Recht als der Stolz der Gegend betrachtet wird;und ich zweifle nicht, daß der Staat ihr eine bedeutende Mit-gift aus ihres Vaters Besitzungen anweisen wird, wenn siceinen würdigen Gatten wählen sollte. Denn es ist nicht unserGrundsatz, am Kinde die Fehler des Vaters zu strafen."
„Es muß Euch natürlich sehr am Herzen liegen, meinwerther Gastsreund," versetzte der Engländer, „Eurer Nichte,in deren Lob ich dankbar einzustimmen alle Ursache habe, eineso angemessene Parthie zu verschaffen, als sie durch ihre Ge-burt, besonders aber durch ihre Vorzüge zu erwarten berech-tigt ist."
„Das hat, mein guter Gast, meine Gedanken schon oftbeschäftigt," sagte der Landammann. „Ich kann mir wegen