89
Kapelle von St. Jakob, welche unsere Bruder von Zürich zuUnterhandlungen vermochten und Oesterreich abermals in dieNothwendigkeit versetzten, Frieden mit unS zu schließen. Nachdiesem dreizehnjährigen Kampf that die Tagsatzung den Spruch,welcher meinen Bruder auf Lebenslang verbannte und ihmseine Besitzungen gekostet hatte, wenn sie nicht durch das An-denken an das, was man für meine guten Dienste hielt, da-von abgehalten worden wäre. Als das Urtheil dem Grafenvon Geierstei» angekündigt wurde, antwortete er mit Trotz;aber ein sonderbarer Umstand bewies uns nicht lang hernach,daß er noch immer die Anhänglichkeit an sein Heimathlandbewahrte und in seinen, Unwillen gegen mich, seinen Bruder,meiner unveränderlichen Liebe zu ihm Gerechtigkeit wider-fahren ließ."
„Ich wollte meinen Credit verwetten," fagte der Kauf-mann, „daß das Folgende auf Eure schöne Nichte Bezug hat."
„Ihr habt recht gerathen," sagte der Landammann. „EineZeitlang hörten wir, aber bloß unbestimmt (denn, wie Ihrwißt, haben wir nur wenig Berkehr mit fremden Ländern),daß mein Bruder in hoher Gunst am Hofe des Kaisers stehe,darnach aber erfuhren wir, daß er verdächtig geworden undin Folge einer der Umwälzungen, wie sie an fürstlichen Höfengewöhnlich sind, in die Verbannung getrieben worden sei.Kurz nach Liesen Nachrichten und ich denke, vor mehr alssieben Jahren, kam ich von der Jagd auf der andere» Seitedes Flusses heim; ich hatte, wie gewöhnlich, die schmale Brückeüberschritten und ging durch den Hof, den wir eben verlassen"(denn ihr Spaziergang ging jetzt heimwärts) „als eine Stimmein deutscher Sprache sagte: „Oheim, habt Mitleid mit mir."Als ich mich umsah, erblickte ich ein zehnjähriges Mädchen,das sich mir furchtsam aus den Ruinen her näherte und vor