83
die Frage festgesetzt werden sollte, ob es sich für den HerrnGrafen gezieme, seine O-Ksen auf die Weide zu treiben, oderob Leine Ercellenz, der Hoch- und Wohlgeborene, ohne Her-abwürdigung ein Feld besäen oder schneiden kann. Ich sehe,Ihr seid erstaunt, mein verehrter Gast, über meine Entar-tung, aber meine Familienverhältnisse sind bald auscinauder-gesetzt."
„Meine erlauchten Ahnen beherrschten dieses nämlicheGebiet von Geierstein; und das geschah zu ihrer Zeit in sehrausgedehnter Weise, fast nach Art der Lehusbarone, d. h. siewaren manchmal die Schützer und Schirmherren, noch häu-figer aber die Unterdrücker ihrer Unterthanen. Als aber meinGroßvater, Heinrich von Geierstein blühets, vereinigte er sichnicht nur mit den Eidgenossen, um Jngelram von Couci undseine Räuberbanden zurückzutreiben, wie ich Euch bereits ge-sagt, sondern er schlug sich, als die Kriege mit Oesterreichwieder aufiugen und Mancher seines Standes sich mit denHeeren des Kaisers Leopold vereinigte, auf die entgegenge-setzte Seite, focht in den Reihen der Eidgenossen und trugdurch seine Geschicklichkeit und Tapferkeit zu dem entscheiden-den Sieg bei Sempach bei, in welchem Leopold sein Lebenverlor und die Blüthe der österreichischen Ritterschaft um ihnfiel. Mein Vater, Graf Willibald, ging denselben Weg so-wohl aus Neigung, als aus Klugheit. Er schloß sich eng anden Stand Unterwalden an, wurde eidgenössischer Bürgerund zeichnete sich so sehr aus, Laß er zum Staatslandammanngewählt wurde. Er hatte zwei Söhne, mich und einen jün-geren Bruder Albert und besaß, wie er selbst fühlte, eine Artvon doppeltem Charakter. Er wünschte, vielleicht unweise ge-nug, (wenn es mir erlaubt ist, die Absichten meines verstor-benen Vaters zu tadeln) daß einer seiner Sökne ihm in sei-
6 *