Druckschrift 
18 (1851) Anna von Geierstein
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

23

Rand des Abgrunds zu erreichen. Auf ihr hoffte er so weitfortkriechen zu können, bis er in die Hör- oder Sehweite 'dervon dem Führer erwähnten Wohnung gelangt wäre. SeineLage schien, als er Liesen kühnen Plan verfolgte, so unsicher,daß selbst der gemiethete Begleiter kaum Athem zu holenwagte, als er ihm nachblickte. Die Leiste, welche ihn trug,schien, während er auf ihr sich weiter schob, immer schmalerzu werden und ward zuletzt völlig unsichtbar. Arthur wandtesei» Gesicht bald gegen die Felsenivand, bald sah er geradeaus, und manchmal gegen den Himmel, aber nie wagte ereinen Blick in die Tiefe, damit ihm nickt bei einem so schreck-lichen Anblick das Hirn schwindeln möchte. So wand er sichauf seinem Pfade vorwärts. Seinem Vater und dem Diener,welche seinem Weiterschreiten zusahen, erschien er nicht wieein Mensch, der sich in der gewöhnlichen Weise weiter bewegt,und dabei mit dem festen Boden in Berührung bleibt, son-dern wie ein Insekt, das an einer senkrechte» Mauer hin-kriecht und dessen Fortschreiten wir zwar wahrnehmen, vondem wir aber nicht erkennen, durch welche Mittel es sich hält.Bitter, sehr bstter bejammerte jetzt der unglückliche Vater,Laß er nicht auf seinem Vorsatz bestanden, daß er nicht diefreilich seiner Absicht entgegenstrebende, ja gefährliche Maß-regel ergriffen hatte und auf dem schon zurückgelegten Wegin die letzte Nachtherberge zurückgekehrt war. Dann hätte erLoch wenigstens das Schicksal des Sohnes seiner Liebe getheilt.

Mittlerweile war der junge Mann bei Ausführung seinesgefährlichen Unternehmens in heftiger, geistiger Spannung.Er that seiner Einbildungskraft, die gewöhnlich ziemlich leb-haft war, heftigen Zwang an und ließ sich auch nickt einenAugenblick darauf ein, den fürchterlichen Einflüsterungen zuhorchen, mit welchen die Phantasie eine wirkliche Gefahr ver-