„Gerechter Gott!" rief Ediths, „ward ich darum geboren,um das Unglück aller Biedern und Edlen zu werden? Waskann ich thnn, ihn abzuhalten, daß er nicht blindlings in seinVerderben stürzt? Ich will sogleich hinab! Sagt ihm, ichflehe ihn an, nur ja nicht abznreisen, bis ich ihn gesprochenhabe."
„Das wird zwar nichts helfen, Fräulein Bellenden; dochwill ich Euren Auftrag ausrichten;" damit verließ sie dasZimmer, und sagte ihrem Bruder, Fräulein Bellenden sei soweit hergestellt, daß sie Herabkommen wolle, ehe er abreise.— »Ich glaube," setzte sie verdrießlich hinzu, „die Aussicht,uns bald loszuwcrden, hat ihre erschütterten Nerven geheilt."
„Schwester," sagte Lord Evandale, „Du bist ungerecht,wenn nicht gar neidisch."
„Ungerecht mag ich wohl sein, Evandale; aber ich hättemir nicht träumen lassen" — mit einem Blick in den Spie-gel — „für neidisch gehalten zu werden, ohne daß man einenbessern Grund dafür hat- — Aber laß uns zur alten Ladygehen; sie bereitet ein Mahl im andern Zimmer, woran einganzes Heer sich satt essen könnte."
Schweigend begleitete sie Lord Evandale in's Gesellschafts-zimmer; denn er wußte, daß man ihre Vorurthcile und ihrenbeleidigten Stolz nicht bekämpfen könne. Sie fanden dieTafel mit Erfrischungen bedeckt, welche unter der sorgsamenAufsicht der Lady Margaretha aufgetragen worden-
„Was Ihr heute gefrühstückt, ist kaum der Rede werth,Mylord; Ihr müßt daher noch Etwas genießen, ehe Ihr rei-tet, so gut dieses arme Haus, das Euch so sehr verpflichtetist, es unter den gegenwärtigen Verhältnissen anbieten kann.Was mich betrifft, so sehe ich's gern, wenn junge Leute Et-was zu sich nehmen, ehe sie zu ihrem Vergnügen oder zu