Morton führte ihn znm Munde und wollte ihn eben leeren,als einige Karabinerschüsse unter dem Fenster und bald daraufein tiefes dumpfes Stöhnen, das sich mehrere Male, aber im-mer schwächer wiederholte, ihm das Schicksal der drei Män-ner verkündigten, die so eben das Zimmer verlassen hatten.Morton schauderte und setzte den unberührten Becher nieder.
„Ihr seid noch jung in solchen Dingen, Herr Morton,"sagte Claverhonse, nachdem er ganz gleichgültig ansgetrunkeuhatte, „und ich denke darum nicht geringer von Euch, daß Ihr,als ein junger Soldat, dieses so tief empfindet. Doch Ge-wohnheit, Pflicht und Nothwendigkeit versöhnen den Menschenmit Allem."
»Ich hoffe," sagte Morton, „sie werden mich nie mit solchenAuftritten versöhnen."
„Ihr werdet wohl kaum glauben," antwortete Claverhonse,„daß ich im Anfänge meiner militärischen Laufbahn eben soviel Widerwillen gegen Blutvergießen hatte, als irgend Einer;cs war mir immer, als flöße mein eigenes Blut, und doch,wenn Ihr einem der Whigs glauben wollt, so werden sie Euchsagen, daß ich jeden Morgen vor dem Frühstück eine Taffewarmen Blutes zu mir nehme. Aber in Wahrheit, HerrMorton, warum sollten wir uns so viel aus dem Tode ma-lhcn? Täglich sterben Menschen, und keine Stunde schlägt, dienicht eine Todesstunde für Jemand ist. Warum sollten wiralso zögern, die Spanne Anderer zu verkürzen, oder ängstlichbesorgt sein, unsere eigene zu verlängern? Alles ist eine Lot-terie. Um die Stunde der Mitternacht solltet Ihr sterben —sie hat geschlagen — aber Ihr lebt und seid wohl, und dasLoos ist auf Diejenigen gefallen, die Euch ermorden wollten.Es ist nicht der Mühe werth, an den letzten Schmerz zu den-ken bei einem Ereigniß, das doch einmal kommen muß und
Dle Schwärmer. III. 4