174
Major Bellenden. Aber der Fanatismus ist auf beiden Sei-ten so groß, daß, wie ich fürchte, nur das Schwert diesenKrieg beendigen wird."
Man kann sich leicht denken, daß Editha mit gespannte-ster Aufmerksamkeit auf diese Unterhaltung horchte. Währendsie bedauerte, daß ste sich zu herb und voreilig gegen ihrenGeliebten ausgelassen, fühlte sie sich zugleich von dem stolzenund erfreulichen Bewußtsein gehoben, daß sein Charakter,selbst nach dem Urtheil seines edelmuthigen Nebenbuhlers, sowar, wie ihre Liebe ihn einst beurtheilt hatte.
„Bürgerliche Zwiste und häusliche Vorurtheile," dachte ste,„können es nothwendig machen, daß ich sein Andenken ausmeinem Herzen tilge; aber es ist kein geringer Trost fürmich, bestimmt zu wissen, daß er der Stelle werth war, dieer so lange behauptet hat."
Während Editha stch so ihren ungerechten Unwillen vor-warf, kam ihr Geliebter im Lager der Insurgenten an undfand dieses in großer Bestürzung. Znverlässtge Nachrichtenwaren eingelaufen, daß die Königlichen Verstärkung aus Eng-land bekommen und im Begriff seien in's Feld zu rücken.Das Gerücht vergrößerte ihre Zahl, Ausrüstung und Manns-zucht, und verbreitete noch andere Umstände, welche die In-surgenten entmuthigten. Alles Gute, was sie etwa von Mon-mouth zu erwarten hatten, konnte der Einfluß Derer vereiteln,die den Oberbefehl mit ihm theiltcn. Sein Generallieutenantwar der berühmte Thomas Dalzell, der die Kriegskunst in demdamals noch so rohen Rußland ausgeübt hatte und wegenseiner Grausamkeit und Gleichgültigkeit gegen menschliches Le-ben und Leiden eben so gefürchtet, als wegen seiner Loyalitätund Unerschrockenheit geachtet wurde. Dieser Mann war nachMonmouth der Zweite im Oberbefehl; die Reiterei aber war