Aber was zum Henker ist Euch denn? — Ihr seid ja bleichwie ein Laken. — Wollt Ihr etwas Branntwein?"
»Miß Bellenden erbat mein Leben von Lord Evandale?"fragte der Gefangene mit schwacher Stimme.
„Ja, ja, die Weiber sind die besten Freunde — die geltenAlles bei Hof und im Felde. — Nun, jetzt seid Ihr vernünf-tig. Ich dachte gleich, daß ich Euch herumbringen würde."
Hiermit legte er ihm selbst die Fesseln an, und Morton,durch jene Nachricht wie vom Donner gerührt, leistete nichtden geringsten Widerstand.
»Mein Leben von ihm erbettelt, und durch sie! — ja, ja— legt die Fesseln an — meine Glieder werden sich gegendie Qual nicht sträuben, die mir in die tiefste Seele gedrun-gen ist. — Mein Leben von Evandale erbettelt, und — durchEditha!"
„Ja, der kann's auch gewähren," sagte Bothwell; — „ervermag bei dem Obersten mehr als irgend ein Anderer imRegimente."
Mit diesen Worten führte er und seine Leute den Gefan-genen in die Halle. Indem sie hinter Edithens Stuhl vorbei-gingcn, vernahm der unglückliche Gefangene genug von denabgerissenen Worten, die zwischen Editha und Lord Evandalegewechselt wurden, um Alles, was ihm Bothwell gesagt, be-stätigt zu finden. Dieser Augenblick brachte eine plötzliche Ver-änderung in seinem Charakter hervor. Die bodenlose Ver-zweiflung, zu der seine Liebe und sein Geschick gebracht ward,die Gefahr, in welcher sein Leben zu sein schien, EdithensSinnesänderung, ihre Verwendung für ihn, welche ihrenWankelmuth noch schmerzlicher machte, — dies Alles schienjedes Gefühl zu zerstören, dem er bis jetzt gelebt hatte, und er-weckte zugleich diejenigen Empfindungen, die bisher durch