unerfahren find. Ich kann mich des Gedankens nichi erwehren,daß der Ungestüm unsers Obersten uns ihnen etwas zu vor-eilig entgegentreibt. Aber cs gibt Wenige, die mindern Grundhaben, Gefahr zu meiden, als ich."
Editha hatte nun die gewünschte Gelegenheit, des jungenEdelmanns Verwendung und Schutz für Heinrich Morton zuerbitten, und es schien auch kein anderer Weg übrig, ihn demdrohenden Verderben zu entreißen. Doch fühlte fie in diesemAugenblick, daß sie dadurch Neigung und Vertrauen des Lie-benden mißbrauche, dessen Herz so offen vor ihr lag, als obsein Mund eine ausdrückliche Erklärung gegeben hätte. Konntefie also schicklicher Weise Lord Evandale auffordern, einemNebenbuhler zu dienen? oder gestattete es ihre Klugheit, eineBitte an ihn zu richten, oder sich eine Verbindlichkeit gegenihn aufzulegen, ohne Hoffnungen zu nähren, die fie niemalserfüllen konnte? Aber der Augenblick war zu dringend fürsolche Bedenklichkeiten oder auch nur für jene Erläuterun-gen, mit denen sie sonst ihre Bitte hätte cinleiten können.
„Ich will nur erst über das Schicksal des jungen Men-schen entscheiden," sagte Claverhouse an der andern Seite derHalle, „und dann, Lord Evandale — es thut mir leid, EureUnterhaltung wieder zu unterbrechen — aber wir müssen danngleich auffitzen. — Bothwell, warum bringt Ihr nicht denGefangenen herauf? und hört, zwei Glieder sollen ihre Ka-rabiner laden"
In diesen Worte» glaubte Editha das Todesurtheil ihresGeliebten zu vernehmen- Augenblicklich brach fie den Zwang,der fie bis jetzt am Sprechen gehindert.
„Lord Evandale/' sagte fie, „dieser junge Maun ist ein ge-nauer Freund meines Oheims. Euer Einfluß auf Euren Obristen