rufen. In dieser Bedrängniß nun gab dem alten Kellermei-ster sein guter Geist ein Auskunftsmittel ein.
„Er liabe unter Montrose manchen braven Gesellen wackerfechten sehen, der noch viel kleiner als Goose Gibbie gewesensei. Weshalb er denn den Goose Gibbie nicht nehme?"
Dieser Goose Gibbie war ein knirpfiger, halb blödsinnigerJunge, und eine Art von Gehülfe der Alten, welche die Auf-sicht über das Federvieh hatte; — denn in einer schottischenFamilie jener Tage herrschte eine wundersame Theilung derArbeit. Dieser Zwerg nun wurde wirklich vom Stoppelfeldeabgerufen, in aller Eile in den ledernen Koller gesteckt, mangürtete ihm das Schwert eines erwachsenen Mannes um, odergenauer ausgedrückt, man gürtete ihn an das Schwert, steckteseine kleinen Beine in die Rciterstiefel, und stülpte auf seinenKopf eine Stahlhaube von solchem Umfange, als wäre esdarauf abgesehen gewesen, ihm sein Lebenslicht auszulöschen.So angethan, wurde er seinem dringenden Flehen gemäßauf bas zahmste und sanfteste Pferd gehoben, und da der alteKellermeister Gudpill ihm hülfreich zur Seite war, so bestander auch die Musterung erträglich genug. Ohnehin prüfte derScheriff die Mannen einer so wohlgesinnten Person, wie LadyMargarethe Bellenden, nicht allzugenau.
Diese Umstande waren schuld, daß das Geleit der Lady anjenem verhängnißvollen Tage nur aus zwei Lakaien bestand.Bei jeder andern Gelegenheit würde sie sich geschämt haben,mit einem so unbedeutenden Gefolge öffentlich zu erscheinen.Aber für die Sache des Königsthums war sie immer bereit,die größten persönlichen Opfer zu bringen. Sie hatte in denBürgerkriegen jener unglücklichen Zeit ihren Gemahl und zweihoffnungsvolle Söhne verloren; sie war aber auch dafür be-lohnt worden, denn es hatte Karl der Zweite, als er durch