„Lieber Herr Archibald," sagte die zukünftige Aufseherinder Milchkammer, „ich habe noch nie in meinem Leben eineFrau hängen sehen, nur vier Männer, und ich möchte cswohl einmal."
Herr Archibald jedoch, ein Schotte von Geburt, schien sichkeine sonderliche Lust davon zu versprechen, seine Landsmännindie furchtbare Strafe der Gesetze erdulden zu sehn. Ueberdieshatte er Verstand und Gefühl, und cS war ihm nicht unbe-kannt, welche Angelegenheit Jeanie nach London geführt. Erantwortete daher ganz kurz, er müsse in Geschäften des Her-zogs früh zu Carlisle sein, und könne sich also nicht aufhalten.
Herr Archibald befahl dem Postknecht weiter zu fahren.Die Augen der neugierigen Jungfer Dutton waren aber im-mer nach der Anhöhe, dem Schauplatz jenes Ereignisses, ge-wendet. Trotz der Entfernung konnte sie die Hauptgestaltenziemlich deutlich unterscheiden, und ein lauter Schrei aus ih-rem Munde zeigte den Schluß des unglücklichen Vorgangs an.Unwillkürlich nahmen Jeanie's Blicke dieselbe Richtung- DerAnblick einer Vcrbrecherin, welche dieselbe furchtbare Strafeerlitt, der ihre geliebte Schwester nur eben entgangen, warzu schrecklich für ihr Gefühl. Sie wandte sich weg, und esward ihr zu Muth, als müßte sie in Ohnmacht sinken. Ihreweibliche Gefährtin überschüttete sie mit Fragen, mit Anerbie-tungen des Beistands — der Wagen solle halten, ein Arztgerufen werden, Tropfen herbeigeschafft, oder gebrannte Fe-dern oder Hirschhorn, alles dies schlug sie zugleich und ineinem Athem vor. Archibald, ruhiger und besonnener, befahlrasch vorwärts zu fahren, bis man den Schreckensanblick ausdem Gesicht verloren. Dann erst ließ er, durch Jeanie'sTodtenbläffe bewogen, den Wagen halten und stieg aus, umihr eine Arznei zu holen, die leichter herbeizuschaffen war, als