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Auch ihr Herz war der Last des Grams, der Schmach, derAngst und Sorgen entledigt, welche vor ihrer Unterredungmit der Königin es niedergedrückt. Allein von so seltsamerArt ist das menschliche Gemüth, daß es, wenn frei vom Druckwirklicher Leiden, der Furcht vor eingebildeten Uebelu offensteht. Es quälte Jeanie, daß Butler ihr nicht geantwortet,dem doch das Schreiben so viel leichter war als ihr.
„Es würde ihm so wenig Mühe gekostet haben," sagte siezu sich selbst, „ich habe ja seine Feder über das Papier flie-gen sehn, so schnell wie sie jemals über das Wasser flog, alssie noch in dem Gänseflügel steckte. Ach! er mag wohl sehrkrank sein, — aber dann hätte doch mein Vater etwas da-von geschrieben. — Oder er mag wohl anderes Sinnes ge-worden sein, und weiß nun nicht, wie er es mir sagen soll-Er brauchte nicht so viel Umstände deshalb zu machen," —und dennoch drängte die Thräne gekränkter Liebe sich in ihrAuge bei dem Verdacht, — „Jeanie Deans würde ihn nichterinnern an das, was er vergessen will. Ich werde ihm vorwie nach Heil und Glück wünschen; und wenn er eine Predi-digerstelle in unsrer Gegend bekommt, werde ich nichtsdesto-weniger hingehen, und ihn hören, um zu zeigen, daß ich kei-nen Groll hege." Und indem sie sich dies vergegenwärtigte»stahl die Thräne sich über ihre Wange. ,
Jeanie fand Zeit genug, diesen schwermüthigen Träume-reien nachzuhängen, denn ihre Gefährten, Diener eines vor-nehmen Hauses, hatten viele Gegenstände der Unterhaltung,an denen sie nicht Theil nehmen konnte-
Als sie in die Nähe von Carlisle kamen, sahen sie auf einerAnhöhe nicht weit von der Heerstraße einen großen HaufenVolks versammelt, und erfuhren, es solle dort eine schottischeHere und Diebin gehängt werden-