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„Aber was ist Dir?" sagte Jeanie; „warum weinst Duso bitterlich?"
„Ach, ich habe wohl Ursach. Mehr als mein armer Sinntragen kann. — Warte nur ein wenig, ich will Dir Alles sagen,denn ich bin Dir gut, Jeanie Deans. Alle Menschen sprachenwohl von Dir, da wir noch in der Gegend wohnten. — Und ichdenke immer an den Trunk Milch, den Du mir gabst jenes Ta-ges, als ich vierundzwanzig Stunden lang oben auf Arthur'sSitz gewesen war, nach dem Schiff zu sehn, worin Jemandsegelte."
Diese Worte riefen es Jeanie in'ü Gedächtniß zurück, daßihr einst früh am Morgen vor ihres Vaters Hause ein wahn-sinniges Mädchen begegnet, und sie Anfangs sehr erschrocken,aber bald Mitleid mit der armen halb verhungerten Wandre-rin gefühlt, und sie mit einiger Speise erquickt habe. DiesesEreigniß, geringfügig an und für sich, ward jetzt bedeutendfür sie durch den günstigen und dauernden Eindruck, den esauf den Gegenstand ihrer Milde gemacht hatte.
»Ja," fuhr Magda fort, „ich will Dir Alles sagen, Du bisteines frommen Mannes Tochter, und kannst mir vielleicht denrechten Weg zeigen, denn lange, lange, lange bin ich durch dieWüste Sinai gewandert. — Aber wenn ich auf meine Ver-irrungen komme, möchte ich mir vor Scham die Lippen schlie-ßen." — Sie sah hier in die Höhe und lächelte. — „Es istwunderlich, ich habe in zehn Minuten mehr Gutes zu Dirgesprochen, als ich zu meiner Mutter in eben so viel Jahrensprechen würde. Ich denke wohl auch daran, aber dann kommtder Teufel und streicht mit seinem schwarzen Flügel übermeine Lippen, daß all meine guten Gedanken fort sind, undeine Menge thörichter Lieder und leerer Eitelkeiten an ihrerStelle."
Kerker von Edmburg. II.
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