Druckschrift 
10 (1851) Der Kerker von Edinburg
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

I4L

verleihen könnte. Allein ihre forschenden Blicke suchten verge-bens ein Merkmal, nach dem die Richtung des Weges sich eini-germaßen bestimmen ließ.Wollen wir nicht lieber auf diegroße Straße?" sagte sie zu Magda in dem Ton, mit dem Wär-terinnen den Kindern zuzureden pflegen.Es ist hübscher zu ge-hen dort als hier unter all dem wilden Buschwerk und Unkraut."

Magda, die sehr hastig ging, stand auf einmal still beidieser Frage, und warf einen schnellen spähenden Blick aufJeanie.Aha, Mädchen!" sagte fie,so ist das Ding sogemeint? Du hast Lust Reißaus zu nehmen."

Jeanie sann einen Augenblick nach, ob sie nicht den Verdachtwahr machen und wirklich entfliehen sollte. Mein sie wußte nichtnach welcher Richtung. Auch war fie nicht gewiß die schnellstevon beiden zu sein, und sollte sie eingeholt werden, so durste sienicht erwarten, es mit der Wahnsinnigen an körperlicher Kraftaufnehmen zu können. Sie gab deshalb für jetzt diesen Gedan-ken auf, sagte Einiges, um ihrer Hüterin Verdacht zu be-schwichtigen, und folgte ihr mit ängstlicher Besorgmß auf demFußpfad, den sic einschlug. Magda, deren Sinn stets voneinem Gegenstand zum andern schweifte, hatte Alles baldvergessen, und begann wie gewöhnlich allerlei durch einanderzu schwatzen.

Es ist gar zu allerliebst im Walde an einem schönen Morgenwie heut. Mir gefällt cs viel besser als in der Stadt. Hierschreit doch nicht ein Rudel zerlumpter Gassenbuben hinter Einemdrein, als ob man ein Wunderthier wäre, nur weil man einBischen hübscher, und besser angezogen ist, als andre Leute-Obgleich man niemals auf hübsche Kleider oder Schönheitstolz sein sollte, Jeanie. Ach, sie sind nichts als Fallstricke. Sonst hielt ich mehr davon, und was war das Ende?"

Kennst Du auch den Weg recht?" fragte Jeanie, furch-