Fünfzehntes Kapitel.
Bindet sie rasch! sonst bei meinem SchwertMach' ich mich schnell mit ihr davon.
Fletcher.
Das schwache Licht, welches zum Fenster herein schien, ließJeanie sehen, daß von hieraus ihre Flucht nicht zu bewerk-stelligen sei, denn die Oeffnung war hoch in der Mauer, undzu schmal, ihr einen Durchgang zu gewähren, hätte sie auchhinaufklimmen können. Von einem fruchtlosen Versuch mußtesie eine schlimmere Behandlung erwarten, als sie jetzt ihrward, und sie wollte daher die Gelegenheit sorgfältig erspä-hen, ehe-sie so Gefährliches wagte. Zu diesem Endzweck nä-herte sie sich leise der gebrechlichen Lehmwand, die das Käm-merchen von der großen wüsten Scheune trennte, und erwei-terte behutsam und geräuschlos eine der vielen Ritzen undSpalten darin, bis sie die Alte und den einen Räuber sehenkonnte, wie sie bei der halb erloschenen Glut in eifrigem Gesprächsaßen. Der Anblick machte sie anfangs schaudern, denn dieZüge des Weibes hatten einen scheußlichen Ausdruck von ver-härteter Bosheit und steter Mißlaune; und die des Mannes,weniger ungünstig zwar, trugen doch das Gepräge der Zü-gellosigkeit und eines gesetzwidrigen Treibens.
Allein ihr stetes Vertrauen auf Gott ließ die arme Gefangeneden Muth nicht verlieren. Sie gedachte der tröstenden Wortedes heiligen Sängers: „Was betrübst Du Dich, meine Seele, undbist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihmnoch danken, daß er meines Angesichts Hülfe und mein Gott ist."